Seite - 167 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
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dem Landweg als auch auf dem Seeweg. Erfolgreich war zunächst allerdings nur der
von polnischen und litauischen Chaluzim durchgeführte Schiffstransport „Union“.
Einen größeren Umfang nahm die „revisionistische“ „Alijah Beth“ ebenfalls erst
drei Jahre später an.
Im Frühjahr 1937 kam auf Betreiben des jungen palästinensischen Juden Moshe
Krivoshein („Galili“) und mehrerer Wiener „Revisionisten“ (darunter Willy Perl,
Wolfgang von Weisl, Hans Perutz u. a.) der erste, unter den Decknamen „Af-Al-
Pi“474 laufende Schiffstransport zustande, der allerdings nur 16 „Betarim“ über
Athen nach Palästina brachte. An Bord von zwei weiteren Schiffen, die noch vor
dem „Anschluss“ nach Palästina abgingen, emigrierten 188 fast ausschließlich ost-
europäische „Betar“-Mitglieder. Diese waren zu diesem Zeitpunkt im Unterschied
zu österreichischen „Betarim“ dazu bereit, ihre Heimat zu verlassen.
Nach dem „Anschluss“ 1938 entwickelte sich die Anwaltskanzlei von Willy
Perl475, der, nachdem führende „Revisionisten“ noch im März 1938 geflüchtet waren,
die Leitung der Organisation übernommen hatte, zum Zentrum der österreichi-
schen „Alijah Beth“-Aktivitäten und „Die Aktion“ – wie die „Revisionisten“ das
Unternehmen bezeichneten – wurde zu einer der wichtigsten Rettungsaktionen
europäischer Jüdinnen und Juden aus dem faschistischen Europa. Im Frühjahr 1938
legten Perl und Galili den nationalsozialistischen Behörden in Wien und Berlin
einen Plan476 vor, der die „visalose“ Einwanderung zahlreicher Jüdinnen und Juden
nach Palästina vorsah. Mit dem Argument, durch die Transporte die jüdische Aus-
wanderung zu fördern und die Briten in Palästina zu provozieren, erreichten sie
schließlich eine Genehmigung. Der erste Transport nach dem „Anschluss“ und die
bis zu diesem Zeitpunkt größte illegale Gruppe ging im Juni 1938 von Wien ab. Zur
Anmeldung wurden ausschließlich junge Jüdinnen und Juden aufgerufen: „For the
upcoming battle for the liberation of our Jewish homeland from the British colo-
nial yoke, the first ones to be saved must be Jews able and willing to carry arms.“477
Verabschiedet mit einer eindrucksvollen patriotischen Rede478 und der jüdischen
Nationalhymne „Hatikwah“479 und unter Beisein mehrerer Gestapo-Beamten ver-
ließen am 9. Juni 1938 über 380 Mitglieder verschiedener zionistischer Verbände
den Wiener Südbahnhof und gelangten über Jugoslawien nach Griechenland und
474 Hebr.: Trotz allem.
475 Willy Perl, Operation Action. Rescue from the Holocaust, Ann Arbor 1983, S. 2–8. Siehe auch
Willy Perl, The Four Front War. From the Holocaust to the Promised Land, New York 1979; sowie
das Porträt über Perl von Gabriele Anderl, in: Hagen/Nittenberg, Flucht, S. 191–199.
476 „Memorandum betreffend die Auswanderung der Juden und Unterbreitung eines konkretisierten
Auswanderungsvorschlags“.
477 Perl, Operation, S. 23.
478 „You are leaving, but you are also coming. You are leaving the country in which most of you were
born, but in which you always were part of a minority, sometimes treated better, sometimes worse,
but always as a minority. You are going home, to the country in which we will shape our own future.
To the country which God promised us, in which we were great and heroic. To this land of which
each inch is drenched with Jewish blood and which has never ceased to be the center of our dreams.
[…] A happy homecoming. Happy Alija!“ Zit. in: Ebda., S. 71.
479 Hebr.: Hoffnung.
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Titel
- Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
- Untertitel
- Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Autor
- Victoria Kumar
- Verlag
- Studienverlag Ges.m.b.H.
- Ort
- Innsbruck
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7065-5419-0
- Abmessungen
- 15.6 x 23.4 cm
- Seiten
- 216
- Schlagwörter
- Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918