Seite - 175 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
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Proteste von Seiten der jüdischen Bevölkerung Palästinas erwartet.502 Prinzipiell
wurde die Festnahme aber vom Komitee befürwortet:
„The deterrent value would be weakened in so far as the illegal immigrants
might realize that they were at least in Palestine and could hardly be detained
forever, and many of them might consider a Palestine concentration camp
preferable to a German one. But it was considered that the psychological
effect, if well publicized, would still be valuable, and the administrative dif-
ficulties must be weighed against those of a deterioration in the position in
Palestine.“503
Neben der Internierung wurde auch die Möglichkeit diskutiert, die Flüchtlinge in
ihre Herkunftsländer zurückzuschicken. Geplant war außerdem die Errichtung
eines eigenen Zivilgerichtes, das sich um die Verfahren gegen Flüchtlinge und
Organisatoren kümmern sollte.
Eine Vielzahl an Vorschlägen, die von oben erwähnter Kommission und anderen
Stellen erarbeitet wurden, flossen in ein gemeinsam vom Colonial Office und For-
eign Office im Januar 1940 veröffentlichtes Memorandum, in dem die Motive, die
Organisation und Methoden sowie die Gegenmaßnahmen zur illegalen Einwande-
rung dargelegt wurden.504 Diese wurde nicht primär als Flüchtlingsbewegung, son-
dern als politisches Unternehmen der Zionistinnen und Zionisten definiert, die eine
jüdische Mehrheit in Palästina herstellen und gegen die britische Palästina-Politik
protestieren wollten. Die Unterstützung und Beteiligung der Gestapo hatte ihre
Ursache nach Ansicht der Briten im doppelten Nutzen, den die deutsche Regierung
aus den illegalen Unternehmen ziehen würde: Die Vertreibung der Jüdinnen und
Juden würde dadurch vorangetrieben und gleichzeitig könnte die britische Regie-
rung bloßgestellt werden. Das in erster Linie zur Abschreckung dienende Strafaus-
maß wurde wie folgt festgelegt: Personen, die ohne gültige Papiere ins Land kamen,
mussten mit einer sechsmonatigen Inhaftierung und/oder Deportierung, die Schiff-
screw und Organisatoren (letztere konnten allerdings in den wenigsten Fällen aus-
findig gemacht werden) mit acht Monaten Haft und einer Geldstrafe von 1.000
Pfund rechnen.505 Ob die Schiffe von der Regierung konfisziert wurden, hing vom
Gewicht ab. Die Effizienz der eingesetzten Küstenwache und Seepatrouille wurde als
unbefriedigend beschrieben, da diese zwar prinzipiell zum Gebrauch ihrer Waffen
berechtigt wären, die erwartbaren politischen Konsequenzen ein gewaltsames
Stoppen der Transporte aber nicht zulassen würden.506 Die Aufgaben der Wachen
beschränkten sich demzufolge auf das Aufspüren der Schiffe und die Festnahme
502 Internationaler Protest sowohl von jüdischer als auch nichtjüdischer Seite wurde zu diesem Zeit-
punkt offenbar noch nicht befürchtet.
503 TNA, FO 371/24092, W 10993/1369/48.
504 TNA, FO 371/25238/, W 766/38/48.
505 Das Strafausmaß wurde mehrmals geändert und konnte – offenbar abhängig von der Anzahl der
beförderten Personen
– im Falle von Organisatoren und Schiffscrew bis zu zwei Jahre Haft betragen.
506 Nichtsdestotrotz wurde das Schiff „Tiger Hill“ im September 1939 vor der Küste Palästinas von den
Briten beschossen. Zwei Passagiere starben.
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Titel
- Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
- Untertitel
- Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
- Autor
- Victoria Kumar
- Verlag
- Studienverlag Ges.m.b.H.
- Ort
- Innsbruck
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7065-5419-0
- Abmessungen
- 15.6 x 23.4 cm
- Seiten
- 216
- Schlagwörter
- Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918