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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Seite - 181 -
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Seite - 181 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

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181 Welt und der Kultur seines Herkunftslandes weiter mit sich zu führen. […] Jede Migrantengesellschaft charakterisiert der Versuch, die bewahrte (Sub-)Identität zu rechtfertigen, was das Zugehörigkeitsgefühl zur Herkunftskultur und zugleich die Distanzierung von der neuen, sie nach der Migration umgebenden Kultur befördert, bis hin zu einem Gefühl kultureller Überlegenheit.“522 Gerade die „Jeckes“ wurden mit dem Vorwurf konfrontiert, sich im Vergleich zur übrigen Bevölkerung für etwas Besseres zu halten. Viele versuchten, den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuer- halten, und weigerten sich, sich den hiesigen Gegebenheiten anzupassen. Wie Klaus Hillenbrand festhält, waren andererseits weite Teile des Yishuvs unwillig, sich mit der deutschen Kultur im positiven Sinn auseinanderzusetzen.523 Die Geschwindigkeit und der Grad der Eingliederung in Palästina hingen beson- ders von der persönlichen Haltung zum Zionismus und der eigenen jüdischen Iden- tität ab, wobei für die österreichischen Einwanderinnen und Einwanderer ein breites Spektrum an Identitätskonzepten charakteristisch war. Rund die Hälfte der für eine Studie zur österreichischen Alijah befragten Personen gab an, dass die sprachliche und kulturelle Eingliederung langsam oder schwierig verlaufen wäre, wohingegen die andere Hälfte, zumeist Jugendliche, den Übergang zum Hebräischen relativ schnell schaffte, dies nicht zuletzt aufgrund des sozialen Drucks, den die Aufnah- meinstitutionen (Jugendheime, Universitäten, Kibbuzim) auf die jungen Einwande- rinnen und Einwanderer ausübten. War das Aneignen der hebräischen Sprache für die Einzelne und den Einzelnen vor allem erforderlich, um beruflich Fuß zu fassen und gesellschaftlich „anzukommen“, so sahen die Zionistinnen und Zionisten das Hebräische als konstitutives Element zur Schaffung einer gemeinsamen Identität. Der Gebrauch einer anderen Sprache wurde vom Yishuv und besonders von den Kibbuzniks verpönt und als „Diaspora-Eigenschaft“ kritisiert.524 Radikale Zionis- tinnen und Zionisten, die die deutsche Sprache als Sprache Hitlers ansahen, gingen mitunter soweit, gewaltsam gegen den Vertrieb deutschsprachiger Zeitungen (z. B. die „Jedioth Chadaschoth“) oder die Abhaltung deutschsprachiger Kulturveranstal- tungen vorzugehen. Mit großem Widerstand  – reichend von Zensureingriffen und Boykottandrohungen bis zu einem Bombenattentat  – sah sich etwa der Herausgeber der von 1942 bis 1943 veröffentlichten Wochenzeitschrift „Orient“ konfrontiert. Wolfgang Yourgau erklärte sich in der ersten Ausgabe wie folgt: „Unsere Zeitschrift erscheint in deutscher Sprache. Zu dieser Tatsache könn- ten wir uns selbst die verschiedensten Kommentare und die schärfsten Pole- miken liefern. Dieses Blatt soll den Leser erreichen, dem die Beherrschung der hebräischen Sprache für die Zeitdauer dieses Krieges ein unerreichbares Ziel bleiben wird. Wir wenden uns nur an diesen Kreis. […] Diese Zeitschrift ist kein Organ der Emigranten-Literatur. Unsere Plattform steht dem alten 522 Yotam Hotam, Emigrierte Erinnerung. Zu Sprache, Identität und Konversion deutsch-jüdischer Emigranten. In: Yotam Hotam/Joachim Jacob (Hg.), Populäre Konstruktionen von Erinnerung im deutschen Judentum und nach der Emigration, Göttingen 2004, S. 176. 523 Hillenbrand, Fremde in neuen Land, S. 25. 524 Niederland, Immigration, S. 408–411.
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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Titel
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Untertitel
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Autor
Victoria Kumar
Verlag
Studienverlag Ges.m.b.H.
Ort
Innsbruck
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Abmessungen
15.6 x 23.4 cm
Seiten
216
Schlagwörter
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Kategorien
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