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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Seite - 190 -
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Seite - 190 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

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190 bloßer Zufluchtsort für die aus dem faschistischen Europa vertriebenen Jüdinnen und Juden wäre. Koestlers Haltung ungeachtet traf diese Annahme für das Gros der nach 1938 ins Land Gekommenen tatsächlich zu. Palästina war für die Mehrheit rein zufällig oder aus fehlenden Alternativen zur Fluchtdestination geworden. Für die österreichischen Jüdinnen und Juden hatte die Suche nach Auswande- rungsmöglichkeiten zu einem Zeitpunkt begonnen, als zahlreiche Staaten bereits eine restriktive Aufnahmepolitik gegenüber jüdischen Flüchtlingen verfolgten. Im nationalsozialistischen „Exerzierfeld“ Österreich stellten sich die Rahmenbedingun- gen für die Verfolgten und Vertriebenen zudem völlig anders dar als in Deutsch- land. Mit dem „Anschluss“ im März 1938 erfuhr die antijüdische Politik einen massiven Radikalisierungsschub, der insbesondere die Vertreibungsmaßnahmen betraf. Zahlreiche unterschiedliche Instrumentarien wurden zu einem systemati- schen Vertreibungsprogramm gebündelt: Neben der rechtlichen Marginalisierung, wirtschaftlichen Enteignung und gesellschaftlichen Isolierung wurden auch körper- liche Übergriffe und Inhaftierungen als Mittel zur Forcierung der jüdischen Abwan- derung herangezogen. Mit der im August 1938 in Wien errichteten „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ wurde ein „rationalisiertes“ bürokratisches Verfahren gefunden, mit dem sich der Vertreibungs- und Beraubungsvorgang binnen kürzes- ter Zeit abwickeln ließ. Hatten österreichische Jüdinnen und Juden in den ersten Monaten nach dem „Anschluss“ vor allem europäische und nord- und südamerikanische Staaten als Destinationen „gewählt“, so wurde nach dem Novemberpogrom, als mehrere Länder ihre Einwanderungsbestimmungen aufgrund des erwarteten Flüchtlingsstroms aus den deutschen Gebieten verschärft hatten, verstärkt Palästina als Fluchtoption in Betracht gezogen. Das Land auf legalem Wege zu erreichen, war aufgrund der vom britischen Mandatar bestimmten restriktiven Einwanderungsquote nichtsdestotrotz schwierig. Für die Rettung der jüdischen Bevölkerung Österreichs spielte deshalb die „Alijah Beth“ eine bedeutende Rolle. Mithilfe der von mehreren zionistischen Gruppierungen organisierten und von den Briten mit großem Aufwand bekämpf- ten illegalen Palästina-Wanderung konnten tausende europäische Jüdinnen und Juden auch nach Kriegsausbruch aus Europa fliehen. Weitgehend geduldet bis gefördert wurde die „Alijah Beth“ auch von den nationalsozialistischen Behörden, die Palästina bei der Erreichung ihres Zieles, die jüdische Bevölkerung vollständig zu vertreiben, besondere Relevanz zumaßen. Wenn auch innerhalb der Führungs- kreise kontrovers diskutiert, räumte der SD den zionistischen Organisationen in Deutschland und später auch in Österreich lange Zeit eine bevorzugte Stellung ein und bot außerdem wirtschaftliche bzw. finanzielle Anreize, die die Auswanderung nach Palästina vorantreiben sollten. So ermöglichte das Haavara-Abkommen zwi- schen 1933 und 1939 deutschen Emigrantinnen und Emigranten über den Export deutscher Waren die Überführung von Teilen ihres Vermögens nach Palästina. Obwohl die Auswanderung aus Deutschland durch dieses Arrangement beträcht- lich gestiegen war, weigerten sich die Nationalsozialisten, das Transferprogramm auf Österreich (abgesehen vom Bundesland Steiermark) und andere kontrollierte Gebiete auszuweiten.
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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Titel
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Untertitel
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Autor
Victoria Kumar
Verlag
Studienverlag Ges.m.b.H.
Ort
Innsbruck
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Abmessungen
15.6 x 23.4 cm
Seiten
216
Schlagwörter
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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