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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Seite - 191 -
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Seite - 191 - in Land der Verheißung – Ort der Zuflucht - Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

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191 Im Gesamtblick ist der österreichische Anteil an den Alijoth ein sehr gerin- ger. Die Bereitschaft österreichischer Jüdinnen und Juden, aktiv am zionistischen Projekt beizutragen, hielt sich in allen Immigrationsphasen in engen Grenzen. Zugehörigkeitsgefühle oder Sympathien für die zionistische Bewegung bedeuteten nicht zwangsläufig praktische Konsequenzen in Form einer Einwanderung nach Palästina. Überhaupt war der Zionismus in Österreich für seine Anhängerinnen und Anhänger vorwiegend eine Suche nach jüdischem Selbstbewusstsein sowie eine Reaktion auf den Assimilationsdruck einerseits und den Antisemitismus andererseits. Seinen Anfang nahm der österreichische Frühzionismus in Gestalt von Vereinsgründungen vorrangig in Wien, darunter Studenten- und Sportver- eine, sowie Palästina-Kolonisationsvereine, die die Besiedelung propagierten und künftige Kolonisten finanziell unterstützten. Bei der Gewichtung von Gegenwarts- und Zukunftsarbeit bzw. nationaler Landesarbeit und Palästina-Arbeit (zunächst hauptsächlich in Form von Aufklärungs- und Werbetätigkeiten und Spendensamm- lungen) herrschte unter den verschiedenen zionistischen Fraktionen Uneinigkeit und auch die Rahmenbedingungen der Einwanderung nach Palästina (allmähliche Immigration geeigneter Personen vs. sofortige Masseneinwanderung) wurden kon- trovers diskutiert. Eine konkrete Vorbereitung auf die Alijah erfolgte speziell von Seiten der zionistischen Jugendvereine, die in der Zwischenkriegszeit großen Zulauf erhielten und deren Mitglieder in den 1920er und 1930er Jahren trotz elterlichem Bedenken vereinzelt tatsächlich nach Palästina migrierten. Damit gaben sie auch der österreichischen Alijah einen starken Impuls. Nachdem die jüdische Bevölkerung in Palästina als unmittelbare Folge der Bestimmungen des britischen Mandatsvertrags bereits in den 1920er Jahren deut- liche Zuwächse verzeichnet hatte, stieg die Immigration von Jüdinnen und Juden während der Fünften Alijah dramatisch an. Diese Einwanderungswelle unterschied sich von den vorangegangenen Alijoth nicht nur aufgrund ihrer langen Zeitspanne (1929 bis 1939) und ihrem Umfang (insgesamt kamen in diesem Zeitraum mehr als 200.000 Immigrantinnen und Immigranten ins Land), sondern auch durch ihre Struktur: Unter den Einwanderinnen und Einwanderern war erstmals eine große Anzahl an deutschen Jüdinnen und Juden, die durch ihr Wissen und Know-how sowie das mitgebrachte Kapital auf das im Aufbau befindliche jüdische Palästina spürbaren Einfluss ausübten. Die Einwanderinnen und Einwanderer trafen in Palästina auf eine äußerst hete- rogene Bevölkerung, die sich aus einer Vielzahl an Nationalitäten und Generati- onen mit verschiedenen Sprachen, Weltanschauungen und beruflichen Tätigkei- ten zusammensetzte. Alleine deshalb gestaltete sich das Verhältnis zwischen dem Yishuv und den nachkommenden Immigrantinnen und Immigranten konfliktreich. Die mit der Fünften Alijah ins Land Gekommenen hatten häufig weder eine beson- dere Beziehung zum Judentum noch zum Zionismus. Mehrheitlich entsprachen sie kaum dem Wunschbild des Yishuvs von Einwanderern als junge, körperlich hart arbeitende Menschen, die aktiv zum Aufbau des jüdischen Staates beitragen. Speziell die deutschsprachigen Neuankömmlinge wurden keineswegs mit offenen Armen empfangen und ob ihrer mangelnden sprachlichen und beruflichen Anpas- sungsbereitschaft und der „fehlenden jüdischen Einstellung zur Frage des Yishuv“
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Land der Verheißung – Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Titel
Land der Verheißung – Ort der Zuflucht
Untertitel
Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945
Autor
Victoria Kumar
Verlag
Studienverlag Ges.m.b.H.
Ort
Innsbruck
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7065-5419-0
Abmessungen
15.6 x 23.4 cm
Seiten
216
Schlagwörter
Palestine/Israel, Aliyah/Zionism, Jewish history of Austria, National Socialism in Austria, Palästina/Israel, Alijah/Zionismus, Jüdische Geschichte Österreichs, Nationalsozialismus in Österreich
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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