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70 Ambraser Sammlung.
Tur l in oder Turheim nennt. Dieser Pergament-Codex, 42l Blät-
ter in gr. Fol. stark, ist eine wahrhaft kais. Prachtausgabe dieses
vorzüglich beliebten und am häufigsten abgeschriebenen Rittergedichtes.
Es ist auf 2 Spalten, mit viertelzollhohen Buchstaben höchst fleißig ge-
schrieben, und mit Initialen von der Höhe und Breite eines halben
Fußes geziert, welche durch ihre Laubwerke und Züge von schimmern«
den, geschlagenen Goldblättchen und niedliche, auf die Geschichte des
Helden sich beziehende Miniaturen einen schätzbaren Beytrag zur alten
Kunst liefern. — Die wichtigste Handschrift dem Inhalte nach ist der mit
dem Nahmen des Heldenbuches bezeichnete Pergamentband mit 23 alt-
deutschen Gedichten, .beynahe sämmtlich aus dem 13. Jahrhunderte,
ebenfalls in prachtvoller 'Ausstattung. Mehrere Werke über Kriegskunst
aus Maximilian's f. Zeit.Freidal's Turnierbuch, in welchem die Ab-
bildungen aller Kämpfe und Mummereyen des Kaisers Maximi l ian I.
zu sinden sind, der hier unter dem Ritternahmen Freidal (d. i. Freude
Allen) erscheint. Kaisers Maximi l ian I. Artilleriewerke in 3 Folio-
bänden; Meister P eter Falkner's Künste zu ritterlicher Were; Hans
Tha lho fe r ' s und Liechtenauer's Kampfbücher. Unter mehreren
anderen merkwürdigen Handschriften, deren Aufzählung hier zu weit füh-
ren würde, sind noch besonders die sogenannten Trinlbücher von Ambras
auszuzeichnen; es sind dieß 2 Bde., welche die eigenhändigen Nahmens-
züge der Herren und Damen enthalten, die beym Besuche des Schlosses
Ambras zu Lebzeiten Ferdinand's und später, den vorgeschriebenen
Trunk gethan. Außer Ferdinand's und Phil ippinens Handschrift
bemerkt man hier noch jene: Ferdinand's Herzogs von Bayern, Erz-
herzogs Carl von Steyermark, Albrecht's und Wilhelm's, Her-
zoge von Bayern, der Welser und vieler anderer hohen adeligen Ge-
schlechter. Endlich begreift diese Sammlung noch sehr interessante See-
und Landkarten, besonders jene von ^oan HlHi-tines Un m^zzina und
<^iovan' ^Monio 6a Hlajolo huondain Vi^contc; und von Fr iaul ;
Meilentafeln und Kalender, so wie 4 verschiedene Kartenspiele aus Fer-
dinand's Zeit und nvey türkische Urkunden. Unter den wenigen vorhande-
nen Druckwerken zelchnen sich aus: ein 37 Blätter starkes Werk inchine-
si/cher Sprache; Wapenbuch, worin aller geistl. Prälaten, Herren und Land-
leute, auch der Städte des Fürstenthums Steyer, Wapen und Insignien,
39 trefflich gemalte Ebenbilder des Hauses Würtemberg :c. zu sinden,
gedr. zu Grätz ohne Iahrzahl; endlich Iac.Schrenl's Lebensbeschrei-
bung der Fürsten und Feldherren, deren Rüstungen und Waffen in den.
Rüstkammern aufbewahrt werden, in latein. Sprache. Innsbruck, 1601.
Von Kupferstichen und Holzschnitten befindet sich ebenfalls nur mehr eine
kleine Sammlung von einigen Dutzend Bänden hier, da schon um 1750
der größere Theil derselben, zum hequemm Gebrauche der Künstler von
Ambras nach Innsbruck versetzt wurde. Indeß finden sich darunter
noch manche gute und seltene Blätter von Albr. Dürer, Lucas von
Leyden, Aldegrever, H e ms k er k :c. nebst einer Menge von Mo-
dellen für Feinarbeiter in Gold und Silber, Architekturen, antike Ruinen
und Statuen in Kupfer- und Holzstichen. Non dieser Sammlung beste-
hen l) geschriebene Verzeichnisse oder Invel^arien, wovon das früheste
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie