Seite - 91 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe A-D, Band 1
Bild der Seite - 91 -
Text der Seite - 91 -
Antal. — Anticipationsscheine. 91
Frühjahre 1320 folgte A. mit Freuden der Einladung zu Gastspielen an
die erste Bühne deutscher dramat. Kunst, an das Wiener Hof- und Na-
tional-Theater. —Er betrat es zuerst als Hugo in Müllner's „Schuld,"
sohin als Ferdinand in Schiller's „Cabale und Liebe," als Rudolph
in Körner's „Hedwig," als Marquis Posa in Schiller's „Don
Carlos," als Don Outierre in Calderon's „Arzt seiner Ehre," als
Hamlet, als Theseus in Racine's „Phädra," endlich als Orest in
Ooethe's „Iphigenia." —. Als der Wunsch eines grosien und auserle-
senen Theiles des Wiener Publicums ihn im May 1821 bleibend dahin
zurückführte, waren Don Outierre, Don Manuel in der „Braut
von Mefsina," und Esser seine ersten Rollen in dieser neuen Sphäre, in
welcher er zeither als Lear, Othello und Macbeth, als Churfürst in
Kleist's „Prinzen von Homburg, oder der Schlacht von Fehrbellin,"
als Basil in der „Albaneserinn," als Borotin in der „Ahnfrau," als
Rupert in K l e i st's „Familie Schroffenstein oder den Waffenbrü-
dern," als Magoff im „Gast," Alphons im „Haus Barcellona," Fio-
rillo in den „Grafen Montalto," :c. entzückt, und im Lustspiel, als
Schiffscapitan in „Peter und Paul," und als Rekau im „Portrat der
Mutter" gerechte Anerkennung gefunden hat. Insbesondere gilt A. für
classisch als Lear. Wie sehr ihm seine kräftige Gestalt, seine glückliche
Mimik, sein treffliches Sprachorgan und so viele andere Vorzüge zu
Statten kommen, um ihn zu einem Schauspieler ersten Ranges zu erhe-
ben, ist allgemein bekannt. —- Nirgend vermißt man anhaltendes Stu-
dium und wissenschaftliche Vorbereitung. Überall erkennt man den Mann,
der seine Jugend in die stygischen Fluchen der Classiker Hellas und
Roms getaucht hat, der sich späterhin, inmitten eines angestrengten
Berufes, weder Zeit noch Mühe verdrießen ließ, Sh akspeare in der
Ursprache zu lesen, und der mit den wichtigsten Erscheinungen der Lite-
ratur seines Faches vertraut ist. Dieser Bildungsgang hat ihn mit der
Würde des Kothurns erfüllt, er hat ihn vorüberspringen und Effsct-
buhlerey bewahrt. —Die romantische Tragödie ist sein eigentlichstes Ge-
bieth, und der hohe Ehrennahme des „Shakspearespielers" dürfte
ihm schwer zu bestreiten seyn. — A. glänzt nun fortwährend auf der
Wiener Hofbühne, und widmet sein großes declamatorisches Talent mit
edler Uneigennützigkeit auch humanen Zwecken (bey musikalischen Akade-
mien !c.) Er hat unter andern den 29. März 1327 an Beethoven's
Orabe die von Gri l lparzer verfaßte Trauerrede vorgetragen.
Antal, s. Ausbruch.
Anticipationsscheine. Der Krieg von 1313 machte eine neue
Vermehrung des Papiergeldes nothwendig. Es wurde daher die Ausfer-
tigung der A. für die Summe von 45 Millionen Gulden angeordnet,
und da die, durch das Patent vom 20. Februar 1311 festgesetzte und be-
lannt gemachte Summe von Einlösungsscheinen nicht vermehrt werden
sollte, so wurde im Wege der Anticipation auf einen Theil des sichersten
Staatseinkommens, nähmlich der Grundsteuer, ein sogleich verwend-
barer Fond, bis auf die Höhe von 45 Millionen Gulden, gegründet,
welcher während 12 Jahren, von 1314 an, mittelst eines Theils von
hem Grundsteuerertrag ^id zwar mit jährlichen 3,750,000 st., in seiner
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie