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98 Appel la t iono Präsident. —Äppend in i .
Prag, daS mähr. schles. in Brunn, das tyrol. voravlb. in Inns-
bruck, das galiz. in Lemberg, das dalmatin. in Zara, das lom-
bard. in Mailand und das venet. in Venedig. Die A., bey wel-
chen übrigens alle Gegenstände über die Organisirung des Iusiizwesens
der betreffenden Provinz verhandelt, die Auscultanten-, Richteramts-
und Advocaten-Prüfungen vorgenommen werden, sind aus einem Prä-
sidenten, Vice - Präsidenten (nur in Brunn, Innsbruck und
Zara ist keiner), und einer der Größe der Provinz angemessenen Zahl von
Räthen (10 — 20) zusammengesetzt, und mit dem sonstigen, nach Ver-
hältniß erforderlichen Personale versehen. Die Gerichtsstellen 1. Instanz
sind den A. untergeordnet; die A. aber stehen unter der Obersten Iustiz-
stelle in Wien.
Appellations-Präsident, ist in den Provinzen die erste Wür-
de der Iustizbranche, und gehört dort zu den ersten Chargen. Die Ein-
führung eines A. P.en bey dem Appellationsgerichte geschieht durch den
Landesgouverneur. In Wien wird der A. P. von dem obersten Justiz»
Präsidenten dem Appellationsgerichte vorgestellt.
Appellationsrathe, sind die Referenten und Stimmführer der
2. Gerichtsinstanz (vergl. 'Appellationsgerichte). Der Rang der A.
ist mit dem der Räthe bey den Landesregierungen oder Oubernien
gleich.
Appellations vice-präsident folgt bey den Appellationsgo-
richten dem Präsidenten unmittelbar im Range nach, und vertritt ihn
in seiner Abwesenheit, wo er gleich den Vorsitz übernimmt. Außerdem
führt er den Vorsitz in abgetheilten Senaten, und in vollen Rathsver-
sammlungen gibt er als Votant erst dann, wenn alle Räthe gestimmt
haben, seine Stimme ab.
Appettdini/Franz.Maria, RectordesPiaristen-Collegiumsund
Prafect des Gymnasiums zu Ragusa, ein geborner Italiener, wurde
von seinen Obern zum Unterricht der Jugend in Dalmatien erkoren, da<
her in das Collegium zu Ragusa gesendet. Nach zwey Jahren wurde
ihm Gelegenheit verschafft, wieder in ein Collegium seines Vaterlandes
zurückzukehren; allein kaum hatte er sich angeschickt, die Rückkehr an-
zutreten, so erfolgte auch schon der Einfall der Franzosen (1794) in
Italien, und er mußte sich daher Glück wünschen, wieder in Ragusa
verbleiben zu dürfen. Er verlegte sich nun mit vollem Eifer auf die Er-
lernung der illyr. Sprache, und es wurde bald aus ihm nicht nur ein
illyr. Sprachforscher, sondern auch nach seiner Neigung für Gelehrsam-
keit ein tiefer Geschichtsforscher über Ragusa. Aus dieser doppelten
wissenschaftlichen Richtung entstand zuvörderst seine Abhandlung: ve
pi-ae8lantia et vetuNate lin^ua« ili^ricae eju5HU6 necessitate a6
popuiol-um orißin65 inv65tigan6a5; dann eine Grammatik der illyr.
Sprache, Ragusa, 1808, wovon er bereits eine zweyte Ausgabe
besorgte. Die Notixi? istoi-ico^ci-nicke Zuiie anticlmä, 5t0i-ia e
lettei-awra äe' Kaguzei, wovon er 2 Bde. (Ragusa, 1302 u. 1303)
herausgab, — sind die Frucht eines höchst schätzbaren Fleißes, wodurch
in das Dunkel versunkene Thatsachen in ein helles Licht gesetzt wurden,
und für die slavische Literatur wichtige Aufklärungen hervorgingen. Noch
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie