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146 Auspiy. — Aussee.
legen, die er vielleicht in seinem Vaterlande entweder durch verjährtes
Hörensagen oder dnrch jene Unzahl oberflächlicher Reisebeschreibungen ein-
gesogen hat, in welchen sich auslandische unberufene Scribenten, her-
gebrachtem Schlendrian huldigend, anmaßen, über eine so große, volk-
reiche, von dem regsten Leben erfüllte Stadt abzusprechen, ohne viel-
leicht mehr als einige Platze und Gesellschaften, welche letztere vielleicht
keineswegs zu den tonangebenden gehören, kennen gelernt zu haben.
Seit Nico la i wurde des Lügenhaften, Abgeschmackten, Parteyischen,
Hämischen und Unbedeutenden über Wien so viel geschrieben und ge-
druckt, gewöhnlich von Leuten, die sichs daselbst ziemlich wohl seyn lie-
ßen und statt eigener Überzeugung verleumderischen Vorläufern folgten,
weßhalb denn auch alle diese Herren und Damen so ziemlich in ein Horn
stoßen, daß es wirtlich zu verwundern wäre, ein Fremder käme, ist er
anders mit Literatur vertraut, ohne Vorurtheile Hieher, so leichter,
wie gesagt, bey eigener unbefangener Ansicht davon zurückkommen wird.
Fügt sich der Fremde wahrend der Dauer seines Aufenthaltes den beste-
henden Verordnungen, so kann er bey jeder Gelegenheit des Schutzes
der Behörden, wie einer anständigen Behandlung versichert seyn. In
welcher Hauptstadt Europa's, Par is schon gar nicht ausgenommen,
würde dem Fremden wohl mehr gewährt und weniger von ihm gefor-
dert? Unter die gewöhnlichsten, leicht zu erfüllenden polizeylichen Vor-
schriften, welche übrigens schon allein die Wohlanständigkeit jedem Ge-
bildeten vorschreibt, gehört das Verboth des Tabakrauchens im Innern
der Stadt, auf den Brücken, in der Nähe einer Schildwache und auf
stark besuchten Promenaden. Im gesellschaftlichen Leben möchte Schonung
der österr. Nationalität und Gewohnheiten, welche ebenfalls schon die
gute Sitte gebiethet, sehr zu empfehlen, so wie Aufdringen fremder
Meinungen und Ansichten sehr zu vermeiden seyn. Die Österreicher, be-
sonders die Wiener, sind ein gutmüthiges, herzliches Volk; sie verläug-
nen, nach dem Ausspruche eines geistreichen Fremden, ungeachtet des
mannigfaltigen Mißbrauches bösartiger Reisenden, ihre Offenheit, Red-
»lichkeit und Geselligkeit niemahls, allein zu arg muß man es ihnen doch
nicht machen, Vaterland, Fürst und Sitte sind ihnen heilige Dinge,
wer diesen zu nahe tritt, thut es immer auf eigene Gefahr.
Auspiy, mähr. Städtchen im Brünner Kreise, mit 2,400 Einw.;
einer Residenz und einer Hauptschule der Piaristen; hier werden außer
O lmütz die nahmhaftesten Ochsenmärkte gehalten.
Aussee, 1) steyermärk. Marktflecken an der Traun im Iudenburger
Kreise mit 170Häus. und 1,100 Einw., zum Salzkammergute gehörig,
mit einer Salzsiederey, die aus dem Steinsalz des Berges Sandling
jährlich 150,000 Ctr. liefert, und dem Staate 1i Million einbringt,
mit emem Berg-, Salz- und Waldamte. In der Nachbarschaft findet sich
der ungemein schöne Grundelsee. 2) (Ausow) mähr. Herrschaft und
Markt, Olmützer Kreises an der March, 1 M. von L i t tau, mit 174
Häuf., 2,000 Einw. (darunter 100 jüdische Familien) und einer Pfarre.
Das nahe neugebaute Schloß, Neuschloß auf dem Gebiethe dieser Herr-
schaft im 16,000 Joch haltenden Dobrawalde, mit einem von derMarch
durchströmten, geschmackvoll angelegten Park, an zwey Meilen im Um-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie