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Bauerns tand. 2N5
waren; so entschied sich B. doch bald für das dramatische Fach, für wel-
ches er auch unverkennbaren, erfreulichen Beruf zeigt. Seine ersten Pro-
ducte in diesem Fache waren einige Übersetzungen Shakspeare'scher
Dramen, so z. B. die beyden Edelleute von Verona, das Lustspiel der
Irrungen, Troilus und Cressida, Heinrich V I I I . , welche in der Oe-
sammtausgabe Shakspeare's in Wien 1825 erschienen; wer die
großen Schwierigkeiten der Übersetzung Shakspeare'scher Lustspiele mit
ihrer Fülle von unübersetzbaren Wortspielen kennt, wird an B.'s, in
poetischer Hinsicht, gelungenen Arbeiten keinen zu strengen Maßstab legen,
besonders da die Übertragung im Metrum des Originales geschah. Mit
natürlich viel größerer Freyheit bewegte sich B. in eigenen Schöpfungen,
deren er bereits 1323 nicht weniger als 20 in seinem Pulte verwahrte,
Beweis seines Berufes und seiner Bescheidenheit. Im Herbste desselben
Jahres endlich wurde sein Lustspiel: Der Brautwerber, in 5 Acten und
in Alexandrinern, auf dem Hofburgtheater dargestellt. Sprache undVer-
sisication fanden verdiente Anerkennung, nur der magere Stoff sagte nicht
zu. Bald darauf erschien: Leichtsinn und Liebe; dann 1831: Das Lie-
besprotocoll, und erhielten, besonders das letztere vielen Beyfall. Weni-
ger sprach das 1832 gegebene Lustspiel: Der Musicus von Augsburg an,
obwohl es auf mehreren auswärtigen Bühnen gefiel. Diesem folgte: Das
letzte Abentheuer, und 1833 das Lustspiel: Die Bekenntnisse, und das
Schauspiel: Helene, wovon besonders letztsres ausgezeichneten Beyfall
erhielt; Der Zauberdrache hingegen, sprach nicht an. Sein neuestes
Charaktergemälde Franz Walter, fand im Hofburgtheater Beyfall.
3 seiner Lustspiele: Leichtsinn und Liebe, das Liebesprotocoll, und Ewige
Liebe erschienen 1332 in emem Bändchen im Drucke. Außerdem lieferte
B. kleine Stücke in Versen, Gedichte :c. in mehrere Taschenbücher und
letztere auch in Zeitschriften. B. besitzt als dramatischer Dichter gefälli-
gen, ungezwungenen Witz, und jenen feinen Conversationston, der
ihn vorzüglich für das höhere Lustspiel, im Geschmacke der bessern fran-
zösischen, eignet, und bleibt sonach, bey allem unbestreitbaren Mangel an
Erfindungsgabe, doch immer eine sehr willkonimene Erscheinung bey der
jetzigen Dürre im Felde des deutschen Lustspieles.
Bauernstand, ist in der Monarchie allenthalben persönlich frey.
Die Leibeigenschaft wurde, wo sie bestand, in Böhmen und Mähren 1731,
in Ostgalizien 1732, in Ungarn durch den 35. Artikel des Reichstags
vom I. 1791, und in Westgalizien 1799 aufgehoben. Die Bauern in
Böhmen, Mähren und Oalizien konnten das von ihnen bearbeitete Grund-
stück, das sie bisher gleichsam als Erbpächter erbunterthanig inne gehabt,
von den Gutsherren käuflich als Eigenthum an sich bringen; seitdem ist
hier jeder Bauer selbstständiger Besitzer seines Grundes geworden, und
kann nach Belieben darüber verfügen. Der Bauer ist zwar noch in jenen
Ländern und Gegenden, wo der Frohndienst in keine stellvertretende an-
gemessene Abgabe verwandelt worden, zu gewissen Spann-und Hand-
diensten, so wie allenthalben zu gewissen Abgaben verbunden, die auf
dem Besitze seines Ackers und Bodens haften; allein diese hängen nicht
mehr von der Willkühr der Herrschaften ab, sondern sie sind durch das
Gesetz (Hl-dai-ium) genau bestimmt. Der Bauer in Ungarn ist nicht
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie