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208 Baumgartner. — Baumkircher.
Sammelplatz der elegantenWelt,und der luxuriösesten Equipagen.Die engl.
Parthien, welche den Platz umgeben, ziehen sich theils an die, eine
Insel bildende Moldau, theils die benachbarten Hügelreihen hinan,
von denen man wieder angenehme Aussichten genießt.
Naumgartner, Andr., Doctor der Philosophie, Director der
Ararial-Porzellan-Gusispiegel- und Smalte-Fabriken, früher Profes-
sor der Physik und der angewandten Mathematik, außerordentl. Pro-
fessor der Mechanik cm der Universität zu Wien, ist geb. zu Fried-
berg in Böhmen den 23. Nov. 1793.Er studirte zu Linz Philosophie,
und hörte in Wien die Vorlesungen der höhern Mathematik. 1815
wurde erAdjunct des philosophischen, 1316 des physikalisch-mathematischen
Lehrfaches daselbst, 1317 Professor der Physik am Lyceum zuOlmutz,
1823 Professor desselben Lehrfaches an der Wiener Universität. Seine
Werke sind: Aräometrie:c. m. K., Wien, 1320.— Die Mechanik in
ihrer Anwendung auf Künste:c. m. K., eb. 1323, 2. umgearbeitete
Aufl. eb. 1334. — Die Natürlehre nach ihrem gegenwärtigen Zustande
m. K., 3 Bde., eb. 1324. Dieß ist die erste Auflage. Das treffliche
Werk ist auch auswärts Vorlesebuch, und von selbem ist 1332 bereits
' die vierte Auflage umgearbeitet und vermehrt erschienen; ein Supple-
mentband war 1831 herausgekommen. Seit 1326 gibt B. mit dem Pro-
fessor v. Ett ingshausen eine sehr geschätzte Zeitschrift für Physik und
Mathematik heraus.
Baumkircher, Andr. v . , aus einem altadeligen Geschlechte
Obersteyermarks, war um 1409 geboren. Selbes war mit der Familie
Rindsmaul, Welser, Oal ler, Stubenberg, Polheim :c.
verschwägert, und erlosch 1508. B. brachte, wie sein Vater Wilhelm,
der Hauptmann zu Wipp ach in Kram war, in diesem Lande ansehnli-
che Besitzungen an sich. Er war von riesenhafter Gestalt und Stärke,
von beyspielloser Tapferkeit und Kühnheit, und erwarb sich durch diese
ritterlichen Vorzüge, in denen er wie einer der alten Athleten des Nor-
dens glänzte, einen ausgebreiteten Ruhm. Indeß fiel seine Erscheinung
unglücklicher Weisein die bedauerungswürdigste Periode Österreichs: in
die Zeit Friedrich's I I I . mit seiner 50jährigen Regierung. Mit Lö-
wenmuth hatte er in oftmahligen Fehden für Friedrich gekämpft; per-
sönlich war B. zwey Mahl sein Retter von der augenscheinlichsten Ge-
fangenschaft; seine Habe und sein Blut vergeudete er an seinen Herrn.
Des classischen Alterthums würdig, in Gesang, Rede und Bild auch
verherrlicht, ist seine herculische That auf der Brücke des Wiener Thores
zu Neustadt. Da hielt er, ein einzelner Mann, die einstürmende
Macht der Böhmen und Österreicher, mit den Ungarn gekommen, de-
ren jungen König Ladislaus PostHumus aus'Friedrich's Vor-
mundschaft mit bewaffneter Faust zu befreyen, so lange auf, bis das
Schutzgitter konnte heruntergelassen, das Thor verrammelt werden. 13
Wunden erschöpften nicht seinen Muth, nicht seine Kraft, und sein
Herr war gerettet. Dieß vollführte B., ein zweyter Horat ius Co-
cles am Morgen desj29. Aug. 1452. Mit demselben Geist und dersel-
ben Kraft rettete B. dem Kaiser gessen seinen Bruder Albrecht V I . ,
1461 die Wiener Burg, und schlug Albrecht's Heer in die Flucht.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie