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Baumwolle. — Naumwollspinnerey. 209
Das Jahr darauf, als Friedrich in seiner Burg belagert, schon auf
dem Puncte war, verloren zu seyn, war wieder B. mit seiner Hülfe
da, indem er sich dem Entsatzheere Georg Podiebrad's des Böhmen-
lönigs anschloß. — Dieser nähmliche Mann ward den 23. April 1471
zu Grätz enthauptet. B. war, was in jener Zeit häufig geschah, Die-
ner eines Andern, des ungar. Königs Mathias geworden. Er hatte
für Friedrich's Sache große Schulden gemacht, er sah sich hämisch
angeschwärzt, barbarisch gedrängt. Er mit andern griff zu den Waffen.
Bald aber trug er Friedrich Unterwerfung an; es ward ihm freyes Ge-
leit nach Grätz zugesagt, das sollte von der Früh- bis zur Spätglocke wäh-.
ren. Listig hielt man ihn hier, er schöpft Argwohn. Er wirft sich auf sein
Roß; er enteilt; das äußere Murthor schlägt zu; er wendet um, auch
das innere schließt sich. Da schlagt die Spatglocke. Sie ist sein Todesge-
laute. Der Scharfrichter mit einem Priester tritt heran, sein Haupt
siel. — Geradheit und Wahrheitsliebe war B.'s Verbrechen. — Die
Stola, mit der B. getauft worden, und ein sogenannter Flaschenkeller
B.'s waren seinem Geburtsorte, dem Dörflein Baumtirchen, noch
vor Kurzem kostbare Überbleibsel. Als geehrtes Andenken seines Hauses
stand da ein mächtiger Ulmenbaum vor der Kirche, der verdorrend 1739
umgehauen wurde.
Baumwolle, die macedonische (inder europaischen Türkey ge-
baut), wird in der Monarchie am häufigsten verarbeitet und in unge-
heurer Menge von Salonichi aus über Seml in nach Wien, und
von hier nach allen westlicher gelegenen österr. Provinzen, so wie nach
mehreren deutschen Staaten, in die Schweiz u. s. w. ausgeführt.
Wien macht gleichsam den Mittelpunct des Handels mit dieser Waare
aus; nur ein kleiner Theil davon geht nach Kronstadt in Siebenbür-
gen. Der Handel ist ganz in den Händen griechischer Kaufleute, welche
die B. selbst bis nach Deutschland liefern. Der Verkauf geschieht in Bal-
len oder Bündeln von 1^ Cent. oder eigentlich 135 bis 145 Pfund,
wobey man 7 Pfund Tara rechnet. Die mit Rohr gebundenen Bündel,
sind nie so vorrheilhaft einzukaufen, als solche ohne Rohr, weil dieses
statt des ursprünglichen Gewichtes von 20 Drachmen, oft 50 bis 70
Drachmen wiegt, ein Umstand, welcher nicht nur die Frachtkosten un-
nöthig erhöhet, sondern auch großen Verlust an der Waare selbst her-
beyführt. In den achtziger Jahren kostete der Centner dieser B. noch
30, höchstens 40 fi. In der Folge aber war er bey Verschlimmerung des
Papiergeldes oft bis über 500 und 600 fi. gestiegen, und dennoch war
die türkische B. wohlfeiler, als die amerikanische und ostindische, welche
während der Handelssperre eine geraume Zeit gar nicht zu finden waren.
Die österr. Spinnfabriken waren daher beynahe ausschließend auf die
türkische B. beschränkt. — S. Banater-Baum wolle.
Baumwollspinnerey. Diese theilt sich bekanntlich in die
Handspinnerey und in die Maschinenspinnerey. —- Die Handspinnerey
hat durch die Verbreitung der Maschinenspinnerey sehr-abgenommen, und
wird jetzt nur noch in wenigen Ländern, und dort meistens nur zum ei-
genen Gebrauche derjenigen betrieben, die sich noch dieser wenig ein-
traglichen Arbeit bedienen. Die ehemahls von Fabriken errichteten Fac-
Oesterr.Nat. Encykl.Vd. l. 14
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie