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B e e t h d v e t t . 225
Generalbaß gegeben. Jetzt übt
Ermunterung hat er 9 Varia-
Marsch, in M annheim stechen
lassen. Dieses junge Genie verdiente Unterstützung, daß er reisen könn-
te. Er würde gewiß ein zweyter Mozart werden, wenn er so fortschrit-
te, wie er angefangen." — Bald erschienen auch 3 Claviersonaten
und einige Lieder, von B. componirt, im Stiche, welche Arbeiten sich
zwar nur als Versuche geltend machen konnten, doch dem jungen Künst-
ler zur Ehre gereichten.. Maximi l ian Friedrich war indessen gestor-
ben, und der neue Churfürst M a x i m i l i a n von Osterreich über-
nahm mit gleicher Vorliebe die ^orge für den vielversprechenden Knaben
und bestimmte ihn, da er sich auch auf der Orgel auszeichnete, zu Nee-
fe's Nachfolger; ja B. erhielt schon 1791 im 19. Jahre den Titel eines
Hoforganisien. 1792 schickte ihn der Churfürst nach Wien, um unter
dem großen Ios. Haydn dieComposition vollständig zu erlernen.Aus-
gestattet mit solchen Talenten, ließ sich erwarten, was unter solcher Lei-
tung Vortreffliches hervorgehen würde, und die Zeit hat diese Erwar-
tung gerechtfertigt, ja übertroffen. Nun lernte B. auch die allge-
waltigen Werke Händel's kennen, die ebenfalls großen und unvergäng-
lichen Einfluß auf seine Kunst- und Geschmacksbildung hatten. 1795
wurde Haydn zu einer zweyten Reise nach London bewogen und er
übergab B. seinem Freunde, dem berühmten Contrapunctisten Albrechts-
berg er, der dessen Unterricht mit Liebe und Sorgfalt übernahm und
nach Haydn's Zurückkunft mit diesem theilte. 1301 verlor B. seinen
großen Gönner, den Churfürsten, welcher starb, und da auch nun-
mehr alle Aussicht auf eine Versorgung in Bonn verloren ging, so
entschloß sich B. um so eher die Kaiserstadt zum bleibenden Aufenthalte
zu wählen, als sich seine Compositionen schon einen solchen Ruf erwor-
ben hatten, daß die Musikalienhändler wetteiferten, sie von ihm zu er-
halten ; gleich große Aufmerksamkeit zog er durch sein vortreffliches Spiel
auf sich. Sein Triumph war die freye Phantasie, so wie die Kunst ein
Thema zu variiren, oder mehrere derselben aus das Künstlichste zu ver-
flechten. Seine Fertigkeit in der Überwindung großer Schwierigkeiten
war bewundernswürdig. Der Genüsse wegen, die er dadurch verschaffte,
buhlte man darum, ihn in Gesellschaften zu ziehen und seine Virtuosi-
tät fand allgemeine Anerkennung. Langsamer ging es mit jener seiner
Compositionen, da sie der Zeit so weit schon vorgeeilt waren und
sich in einem, zwar äußerst genialen und grandiosen, doch eben ihrer
großen Originalität wegen, fremdartig scheinenden und dem Gewohnten
entgegensirebenden Charakter bewegten. Doch brach sich sein Genius,
Geist
ihres
verwandte
große Geister z."B. Shakspeare, Jean Pau l , daß man zur all-
gemeinen Erleuchtung noch sein eigenes Lichtchen mitbringe, auch fanden,
um gerecht zu seyn, mehrere seiner Meisterwerke nur darum Gegner,
weil sie in damahliger Zeit fast immer mangelhaft vorgetragen wurden,
was indessen wieder auf ein Nichtauffassen seines Geistes und zwar auf
Oesterr. Nat. Cncykl. Bd. I.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie