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die bttrübendste Weise, hinauslauft. Ungefähr um 1810 schlug B. einen
rortheilhaften Ruf nach England aus, da ihn sowohl Bande der Dank-
barkeit, als auch des Blutes an Osteneich fesselten, wohin ihn 2 Brü-
der gefolgt waren, in deren Nahe er Familienfreuden fand, die seinem
Herzen das Theuerste waren. Spater aber hatte er sich fast bewogen ge-
funden, einen zweyten, als Capellmeister des damahligen Königs von
Westphalen anzunehmen, indem ihm beydem Druck, welchen die Künste
Schätzers, des Erzherzogs Rudolph, so wie der für die Kunst zu früh
verstorbenen Fürsten Lobkowitz und Kinsky noch glücklich abgewendet,
und B. wurde eine jahrliche lebenslange Pension von 2,000 fl. unter der
einzigen ehrenvollen Bedingung angebothen und zu Theil, daß er den
Aufenthalt in Osterreich nie gegen jenen im Auslande vertausche. Bey
solcher Begünstigung konnte nun B. nicht bloß sorgenfrey, sondern auch
bequem leben, da er noch außer dem bedeutenden Honorar für seine Werke
manches werthvolle Geschenk für Dedicationen empfing. Nachdem er schon
mehrere seiner classischen, an unvergänglichen Schönheiten überströmen-
den Symphonien geliefert, und sich dadurch bereits mit Recht den Nahmen
des ersten und größten Instrumental-Componisien erworben hatte, erschien
auch 1314, während der Anwesenheit der verbündeten Monarchen, seine gro-
ße Oper: Leonore (in neuerer Bearbeitung Fidelio) zum hohen Entzücken
jedes Fühlenden und Gebildeten, und zeigte, wie Herrliches der Mei<
ster auch im Felde der dramatischen Kunst vermöge, und zwar trotz der
damahls etwas mangelhaften Aufführung, besonders von Seite des Or-
chesters, wovon zum Beweise hinlänglich ist, daß die schöne und charak-
teristische, zu dieser Oper gehörige Ouvertüre in O^ui-, welche jetzt bey
jedesmahligem Anhören mit dem größten Enthusiasmus aufgenommen
wird, damahls ganz spurlos vorüber ging, ja daß sogar B. gezwungen
war, eine neue in L-6ul-, ebenfalls vortreffliche, nur geräuschvollere
dazu zu schreiben. Seither hat die Oper: Fidelio, allenthalben, wo sie gut
gegeben wurde, großes Glück gemacht, und wurde erst neuerlich in L o n-
donundParis mit ungetheiltem Entzücken aufgenommen. Nun war B.s
Ruhm durch die gerechte Anerkennung seiner gebildeten Zeitgenossen ge<
gründet,einzelneHaarspalter, die sichs zum angenehmsten Geschäfte machen,
dennoch ganz bleiben. Nebstdem wurden ihm auch die ehrendsten Auszeich-
nungen zu Theil. Nach der ersten Aufführung seines charakteristischen Ton-
300 Ducaten; in England vereinigte sich eine Gesellschaft, B. ein Ge-
schenk mit einem Fortepiano aus den Handen des ersten dortigen Mei-
sters zu machen, und der Wiener Magistrat ernannte ihn zum Ehren- .
bürger der Stadt. Von dieser Zeit (1815) an, begann sich jedoch ein
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie