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«96 D e tt i s.
Denis, Mick., k. k. Hofrath, erster Cusios an derHofbibliothek
zu Wien, und Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, wurde am
27. Sept. 1729 in Schärding geboren. Mit nicht gewöhnlichen An-
laqen ausgerüstet, verließ er, kaum 10 Jahr alt, das väterliche Haus,
besuchte das Gymnasium zu Passau, und erwarb sich dort in kurzer
Zeit die Liebe seiner Lehrer, der Jesuiten. Unter diesen hörte er auch
die Philosophie mit ausgezeichnetem Erfolge. Er hatte sich indessen mir
seinen Führern auf der Bahn des Wissens, ihrer Methode und ihrer
inneren und äußeren Gestaltung so sehr befreundet, daß er um die
Aufnahme in ihre Gesellschaft nachsuchte, und sofort am 18. Oct.
1747 bey St. Anna in Wien das Noviziat antrat. Nach den gewöhn-
lichen 2 Prüfungsjahren wurde er durch 4 Jahre dem Lehramte gewid-
met, und hierauf erst zum Studium der Theologie zugelassen. Diese in
Grätz vollendend, und 1756 zum Priester geweiht, verlebte er das
3. Probejahr zu Iudendurg, und wurde hierauf nach Preßburg
versetzt, um dort die Frühpredigten an Festtagen zu halten. 1759
endlich beriefen die Oberen den überall gleich thätigen jungen Mann
zu einem Wirkungskreise, in dem er unstreitig auf Österreichs Fortbil-
dung , insbesondere aber auf Entwicklung eines besseren Geschmackes
im Gebiethe der schönen Literatur den wohlthatigsten Einfluß ausübte.
Er kam vorerst als Prafect an die Theresianische Ritreralademie zu
W i e n ; begann indessen schon im folgenden Jahre die Redekunst
zu lehren, und wirkte 12 Jahre unermüdet in dieser Stellung. In
diese Zeit fällt sein öffentliches Auftreten als Dichter, mehrere Ver-
suche erschienen einzeln im Drucke, und sie beurkunden durchgehends
wahren Beruf. Verfehlt war der Gedanke, Ossian's Gedichte, über-
haupt in der heterogenen Form von Hexametern wiederzugeben, ob-
gleich ihm das Verdienst, in Ossian's Geist eingedrungen zu seyn,
nicht abgesprochen werden kann. Mit dem Jahre 1773, das vor Vielen
den gutmeinenden Denis schwer niederdrückte, weil er seine aufge-
löste Gesellschaft liebte, beginnt für ihn eine neue Evoche des Wirkens,
und es laßt sich mit Zuversicht behaupten, daß er auf diesem Wege sich
europäische Verdienste gesammelt hat. Er bekam nähmlich die Aufsicht
über die schöne Garelli'sche Bibliothek; Bibliographie und Literargeschichte
ward nun sein vorzüglichstes Studium, und in beyden hat er des
Guten unendlich viel geleistet. Seine Vorlesungen wurden von allen
Seiten gewürdigt; seine Arbeiten führten zu den schönsten Resultaten.
Jener Stellung verdanken wir seine Einleitung in die Bücherkunde.
2 Bde. Wien, 1777, und eine 2. Auflage, 1795.— Merkwürdig-
keiten der Garelli'schen Bibliothek, eb. 1780, und Wien's Buchdru-
ckergeschichte bis zum Jahre 1560, eb. 1782, mit einem Nachtrage,
1793; wahrhaft bibliographisch-literarische Meisterwerke. 1784 hob
Kaiser Joseph I I . die Theresianische Ritterakademie auf, bestimmte
ihre Büchersammlung sammt den Vorstehern für die Universität zu
Lemberg; und nur der Tod des Hofraths K oll ar änderte diese Ver-
fügung in Beziehung auf D. Er erhielt die nun erledigte dritte Custos-
stelle an der k. l. Hofbibliothek, und was er hier, vorgerückt zum ersten
Custos 1791, und vom Kaiser Leopold durch den Hofrathstitel ge-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie