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Deutsche Schulen. 703
gen der betreffenden Landesstelle, welche im allgemeinen über das Ganze
zu wachen, Verbesserungen zu treffen hat, oder in dem, was ausier ihrem
Wirkungskreise liegt, ihre Vorschlage an die k. k. Studien-Hofcommission
macht, welche selbesodann dem Kaiser zur Genehmigung vorlegt. Alle, die
Leitung der öffentlichen Schulen betreffenden Ausgaben bestreiter der
Normal-Schulfond, der nebst mannigfachen andern Zuflüssen auch von
jeder Verlassenschaft, welche 300 fl. übersteigt, nach dem Stande des
Verstorbenen 1 bis 4 st. erhalt. Die meisten der einzelnen Schulen haben
noch außerdem eigene Fonds, die sich durch Stiftungen, Vermacht-
nisse :c. bilden. Die Abfassung und der sehr einträgliche Verlag der Nor-
mal- und Gymnasial-Schulbücher wird auf Staatskosten durch die k. f.
Schulbücher-Verschleisi-Administration (in Wien) besorgt, welche dem
Schulenaufseher untersteht. Alle Kinder armer Altern, insbesondere
Waisen, Findlinge und Soldatenkinder, besuchen die Trivialschulen, und
erhalten auch die Bücher unentgeldlich, deren von jedem Tausend 25l)
an Arme vertheilt werden. Jedes halbe Jahr sind öffentliche Prüfungen
mit Prämien-Vertheilungen, wobey euch jene Kinder geprüft werden
müssen, welche Privat-Unterricht zu Hause erhalten. Alle Schulanstal-
ten stehen unter einander in genauer Verbindung, und jede ist zur Vor-
bereitung für die nächst Höhere bestimmt, so daß der Übertritt aus einer
in die andere nie ohne legale Zeugnisse über alle vorgeschriebenen, mit
gutem Erfolge abgelegten Prüfungen gestattet wird. In Wien allein
sind 2Haupt-Normalschulen, jene zu St. Anna, unter unmittelbarer
Leitung des Schul-Oberaufsehers und des Directors; mit dieser Schu-.
le sind auch noch die Lehranstalt für Präparanden zum Schulfache,
so wie eine Bildungsanstalt für Zeichnenlehrer verbunden; dann jene
derPiaristen in der Joseph stadt. Die Zahl sämmtlicher deutscher
Schulen in der Residenzstadt mit deren Vorstädten beträgt 75, welche
von ungefähr 30,000 Schülern besucht werden. Ausier diesen bestehen
noch zahlreiche Privatschulen, an welchen jedoch ein ordentlicher, Seel-
sorger in der Religionslehre und von der k. k. Schuloberaufsicht bestä-
tigte Lehrer in den übrigen Gegenständen angestellt seyn müssen. Das
Schuljahr beginnt überhaupt Anfangs October und dauert an den Haupt-
Real- und Mädchenschulen für gebildetere Stände, bis gegen EndeIuly,
wo die zweymonathlichen Schulferien eintreten. Die jährlichen Schul ferim
auf dem Lande werden nach Verschiedenheitder Beschäftigung der Einwob-
ner entweder auf dieZeit der Ernteoder Weinlese bestimmt. InWienist,
gleichwie sich in vielen Städten der Provinzen deutsche Schulen der Pro-
testanten befinden, auch eine protestantische Hauptschule, welche mir der
Filial-Schule zu Fünfhaus bey 450 Schüler zählt. An diesen 'An-
sialten sind 5 Hauptlehrer, 2 Catecheten, 1 Schreib- und Gesanglehrer
und eine Vorsteherinn der Mädchenschule. Sie wird bloß durch die Beyträge
der Gemeindeglieder erhalten, und steht unter der Leitung der protestan-
tischen Schuldistricts-Aufsicht und einer eigens gewählten Deputation.
Übrigens werden daselbst (nur mit dem protestantischen Religionsunterricht)
dieselben Gegenstände gelehrt, welche bey der Normal-Hauptschule
zu St. Anna vorgeschrieben sind. In den Trivialschulen ist der tägliche
Unterrichtgewöhnlich auf2 Stunden Vormittags und 2 Nachmittags be-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie