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712 Dietrich, Ios. Freyh. v.
Civil-Ehrenmedaille ertheilt wurde. D. widmete sich nach Vollendung
der philosophischen Studien, beynahe noch als Jüngling, den Geschäften
seiner Mutter und seines Bruders; erweiterte als Chef des spater
unter der Firma Gebrüder Dietr ich bekannten Speditionshauses die-
selben immer mehr, und belebte besonders zur Zeit der Continentalsperre
nicht nur die Straßen des angränzenden Auslandes mit einheimischen
Fuhrwerken, sondern eröffnete die Bahn directer Fahrten selbst nach den
entferntesten Handelsplatzen in Europa, durch welchen Verkehr dem
Vaterlande bedeutende Summen an der in damahliger Zeit so selten
gewordenen klingenden Münze vom Auslande zuflössen. Gleiche Thätig,
keit entwickelte er in dem verhängnißvollen Kampfe mit Frankreich, und
bewirkte hierdurch nicht nur die Rettung so mancher ärarischen Güter
bey den Invasionen 1305 und 1809, als er auch überhaupt in dem
Kriege 1313 und 1315 den Transport der enormsten Oewichrslasten an
Munition und Rüstungssorten besorgte, und mit der im Kriege erfor.
derlichen Präcision den siegreichen Armeen von den entlegensten Punc-
ten der Monarchie bis nach Frankreich und Italien überlieferte. Nicht
minder erwarben ihm auch seine zahlreichen und trefflich organisirten sta-
bilen Belagerungsgeschütz- und Depotsbespannungen (deren Mannschaft
eigens uniformirt war, und sammt den Pferden gleich dem wirklichen
Militärfuhrwesen verpflegt und behandelt wurde) die vollste Zufrieden-
heit der Behörden. Als in Folge der durch die früheren unglücklichen
Kriegssreignisse herbeygeführten Einschränkung der Staatsverwaltung
die inländischen Gewehrfabrikanten fast ganz außer Beschäftigung ge-
setzt wurden, war D. auf Anregung, 1310 sogleich bereit, diesel-
ben in Thätigkeit zu bringen, und vielen brotlos gewesenen Arbeitern
wieder Verdienst zuzuwenden. Diese lediglich jener Unterstützuug wegen
gesammelten Waffen dienten in der Folge zur schnellen Armirung in
dem Befreyungskriege,,, und größtcntheils an Preußen, Würtemberg
und andere später mit Österreich verbundenen Mächte verkauft, brach-
ten jene Erzeugnisse dem Inlande nahmhafte Beträge in barer Silber-
münze ein. 1316 aufgefordert von derkönigl. würtemb. Regierung, der
auch in diesem Königreiche entstandenen Getreidenoth mittelst Lieferun-
gen aus den österr. Provinzen zu steuern, unterlegte D. bey dem Um-
stände, daß die österr. Staaten selbst kaum mit dem eigenen Bedarfe
gedeckt waren, in genauer Kenntniß der Fruchtpreise auf sämmtlichen
Handels- und Seeplätzen einen eigenen Vorschlag, nach welchem durch
den königl. Finanzminister von Weckherlin das erforderliche Getrei-
dequantum aus den nördlichen Staaten viel schneller, und mit gerin-
geren Kosten, als in anderen Ländern zugeführt wurde. In Rücksicht
dessen ertheilte ihm 1317 König Wi lhelm I. das ihm bereits von dessen
Vater, dem verstorb. König F/iedrich I., zuerkannte Ritterkreuz des
lönigl. Civil^Verdienst-Ordens. Überhaupt seit eingetretenem Frieden mehr
mit der Oconomie seiner Güter, und mit seinen Fabriken beschäftiget,
unternahm er 1318 zur Beförderung der vaterländischen Industrie auf
eigene Rechnung Warensendungen nach Westindien und Amerika, und
scheute mit gewohnter Beharrlichkeit kein Opfer, eine unmittelbare
Handelsverbindung mit jenen überseeischen Ländern anzuknüpfen und zu
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie