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Ditters von Dittersdorf. 721
litz geboren, siudirte die Humanitätsclassen theils zu Gitschin/ und
Braunau, theils zu Brunn, wo er auch als eben eine Zeitlang die
Olmützer Universität Hieher übersetzt war, die Philosophie hörte, und
Magister derselben wurde; den theologischen Studien aberlag er zu
Prag als Zögling des k. k. Iosephinischen Seminars, bis auf das letzte
Erziehungsjahr ob. — Er wurde für diese Zeit nach Wien abgeschickt,
um sich dort die verbefferre Normallehran eigen zu machen, und den
theologischen Curs zu vollenden. Nach seiner Rückkehr wurde er 1737
zum Priester geweiht; erhielt 1783 schon die Pfarrpfründe zu Kosten-
blat im Leitmeritzer, und 1739 jene zu Großbezno im Bunzlauer
Kreise; auf diesem letztern Posten 1794 den Titel eines Dechantes,
1795 aber das Amt eines bischöflichen'Vicars. 1799 wurde er Ehren-
Canonicus des Wischehra-der Domstiftes, dann aber 1300 wirklicher oder
Residentialdomherr desselben, und nachdem er 1302 die theologische
Doctorwürde an der Prager Universität erlangt hatte, 1303 an eben
derselben k. k. Professor der Kirchengeschichte und 1806 Büchercensor.
Er starb den 26. Sept. 1323 zu Prag. Im Drucke war von ihm er-
schienen : 8<?li65 s)i'I(^()3ilcii'. ^ccles. colleA. in l'gzti'o Wizckekra^
Prag 1802. — Erklärte Reden unsers Herrn, 3 Bde. eb. 1793 — 94.
Neue vermehrte Aufl. eb. 1809. — Das Gesetz unsers Herrn, eb. 1803
(die 2 letztern Werke in böhmischer Sprache).
Ditters von Dittersdorf, Carl, vorzüglicher Tonsetzer, wurde
am 2. Dec. 1739 zu Wien geboren. Als kleiner Knabe zeigte er schon
auffallende Anlage zur Musik; geschickte Meister bildeten ihn heran,
und in kurzer Zeit ward er seines schönen Violinspieles wegen ein Ge-
genstand allgemeiner Bewunderung. So kam es, daß der k. k. Feld-
marschall Prinz Jose pH Friedrich vonHild bürg h ausen im März
1751 ihn als Kammerknaben zu sich nahm, und für seine fernere Ausbil-
dung Sorge trug. Nirgends hatte er bessere Gelegenheit dazu sinden kön-
nen. Der Prinz, ein grosier Freund der Musik, hatte stets die ausgezeich-
netsten Künstler um sich. Darumer stand Gluck oben an, in dessen
Gesellschaft der Jüngling, nachdem die Capelle seines Gönners aufge-
lost und mit dem kaiserl. Hoftheater vereinigt worden war, eine Reise
durch Italien machte. Hier lernte er die größten Künstler kennen, zog
jeden möglichen Nuben aus ihrem Umgänge, und so von Gluck auf-
gemuntert, versuchteD.mehrereCompositionen, die glücklich genug aus'
sielen, den Anfanger zum wackern Fortschreiten anzueifern. Nach Wien
zurückgekehrt, und da sein Contrast mit dem Hoftheater zu Ende ging;
der neue Director Graf Spork aber den jungen Künstler nicht hinlang^
lich zu würdigen schien, trat er in des Bischofs Pasachich von Groß-
wardein Dienste, dessen Capellmeister Mich. Haydn nach Salz-
burg abgegangen war. Hier componirte er mehrere Cantaten/Sing-
spiele für das Theater, auch eine ital. komische Oper und verlebte so 5
glückliche Jahre; da zwangen ihn äußere Verhältnisse als Musikdirector
dem Rufe des Fürst-Bischofes von Breslaü zu folgen. Dieses geschah
1769; im nächsten Jahre ward er auch schon dessen Forstmeister,
1773 Landeshauptmann von F r e y w a l d a u und von Kaiser Joseph I I .
der überhaupt D.'s Muse sehr geneigt war, und ihn gerne in Wien
Oesterr. Nat. Encykl. Bd. I.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie