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Gelehrten, den Topographen Schal ler und den Historiker Pelzet
kennen. Durch diesen ward er tiefer eingeweiht in die Literatur der
Slaven ; seine Liebe dafür, der wir so Vorzügliches danken, ward ge-
weckt und begründet. Indessen ging noch immer sein Wunsch dahin,
eine theologische Lehrkanzel für orientalisches Sprachstudium zu erlangen;
da er aber Böhmen, wo Alles besetzt war, nicht verlassen und für die
ausgeschriebene Stelle in Lemberg dcnConcurs nicht machen wollte, so
kam er um die neuerrichtete th'eolog. Censursstelle in Prag ein, und er-
hielt sie auch durch Hofentschließung vom 27. März 1786. Jetzt auch zum
Mcedirector des Prager General-Seminarium vorgeschlagen, fühlte er
sich, um ohne Hinderniß auf seiner Bahn fortzuschreiten, bestimmt, 1737
die Priesterweihe zu nehmen, und nach 2 Jahren wurde er auch wirklich
als Vicedirector des Hradischer General-Seminariums nächst Olmütz
in Mahren bestätigt und bald hierauf zum wirklichen Rector ernannt.
Mit der Aufhebung dieses Institutes 1739 erhielt er eine Pension voll
500 st., ging nach Prag zurück und lebte hier im N ostitz'schen Hause
ganz allein den Wissenschaften, vorzüglich aber den eifrigsten Forschun-
gen in dem tiefen Schachte der slavischen Literatur. Als Kaiser Leo-
pold I I . der konigl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften 6000 fi.
schenkte, beschlossen die Mitglieder einen Theil davon zu historischen
Untersuchungen in Schweden zu verwenden. Hier musite, enrführt in
den Zeiten des 30jährigen Krieges, so manches Denkmahl für böhm. Ge-
schichte verborgen liegen; dieses zu untersuchen ward D. ausersehen.
1000 st. wurden ihm angewiesen. Er trat am 15. May 1792 in Gesellschaft
des Grafen Joachim v. Sternberg die Reise an, und kehrte im
März des folgenden Jahres über P e t e r s b u r g , Moskau, und
Warschau nach Prag zurück. Bevor er indessen das Resultat seiner
Reise dem Drucke übergab, machte er eine zweyte mit dem Grafen Friedr.
Nostitz durch ganz Deutschland nach Italien; allein in den Bädern zu
Albano erhielten sie die Nachricht von der schweren Krankheit des Vaters,
Grafen Franz Anto n Nostitz. Sie kehrten demnach eiligst nach Prag
zurück, und D. wohnte fortan im grästlchen Hause, von dem er auch
eine Pension bezog. KleineReisen, besonders im Sommer, nach Wien,
Dresden, Ungarn, wechselten von nun an mit einer rastlosen litera-
rischen Thätigkeit, und dieser glücklichen Muße verdanken wir so viele
schätzbare Arbeiten eines so ausgezeichneten Geistes. Alle slavischen Spra-
chen hat er beleuchtet, insbesondere aber die böhm. kritisch gewürdigt,
und seine Untersuchungen sind für die Geschichte von hohem Nutzen ge-
wesen. Er war, wiesein würdiger Nachfolger Palacky sich ausdrücke,
in der That ein Mann, wie ihn die Natur nur selten erscheinen läßt;
denn er verband ein außerordentliches Gedächtniß mit unermüdeter
Thätigkeit, und einen durchdringenden Scharfblick mit stets gleicher Leb-
haftigkeit des Geistes. So konnte es nicht anders kommen, als daß die
ausgezeichnetsten Gelehrten des I n - und Auslandes seine Freundschaft
suchten, und daß seinem Talente überall jene Achtung ward, die aus
der innigsten Anerkennung des Verdienstes hervorgeht. D. verlebte unrer
diesen Utnständei die Tage feines fruchtreichen Alters in edler Ruhe/
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie