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iDonaufahrt von Wien bis Orsowa. 739
nun der interessanten Nümo A,q q s ba ch auf hoher F^sstn^in'e, so r.'ie
der Teufelsmauer, einer Felsenreihe, welche sich bis zur Donau ziehr
nnd ein herrliches Echo enthalt, vorbeygefahren ist, umgeben aufs neue
düstere Felsenwände den Strom, und auf den höchsten Klippen eines
Vorgebirges erblickt man die Ruinen von Dürrenste in, wo einst
Richard Löwen herz gefangen gehalten wurde. Unterhalb dieser
Ruine wird die Gegend wieder freyer, und aus der Ferne blickt die
schöne Abtey Göttweih hervor. Hier liegen auf einer Strecke von 1j
Stundend Städte beysammen, Dürrenste in, Mautern , Ste in
und Krems. Mautern ist der Hauprstapelplatz für Böhmen und
Mähren. In Ste in endet sich das grösite Interesse der Donaufahrt,
denn nun windet sich der Strom durch eine Menge von Inseln und Auen
bis an die ungar. Gränze und nur am rechten Ufer sind noch einige in-
teressante Ansichten, so z. B. Ho l len bürg mit dem schönen Gey-
müller'schen Schlosse, die Mündungen der Traisen und des Kampes,
das alte Städtlein T u l n , das hohe Greifenstein mit dem gegen-
überliegenden Kreutzen stein, die Steinbrüche von Höf le in/ Klo-
sterneuburg und endlich dem Leopoldsberg vorüber, Nußdor f , an
welchem Orte alle Schiffe landen müssen, da er gleichsam als die Was-
serbarriere der Stadt Wien betrachtet wird, und von wo sich jeder Rei-
sende auch gewöhnlich zu Wagen nach der Hauptstadt begibt, da jeder
Schiffer verpflichtet ist, von hier erst nach Wien zu schicken, ob und
wo er anlegen dürfe, und ob nicht etwa ein großer Oegenzug komme,
indem der Wiener Canal sehr versandet ist, und sich an dessen Ufern
auch sters eine große Menge Schiffe zusammendrängen. Die gewöhnlich-
ste Reisegelegenheit auf der Donau sind die sogenannten Ordinari, eine
Art Privatpost, aus Plätten, eine kleinere Art Donauschiffe, welche
130—600 Ctr. laden, bestehend, welche sehr flach, platt, breit gebaut,
und mit einer Hütte versehen sind, die eigentlich als Obdach für die
Waaren bestimmt ist, wö aber auch die Reisenden cluf Kisten und Bal-
len, so gut es eben gehen mag, Plätze finden.
Donaufahrt von Wien bis Orsowa. Die Wasserfahrt auf
der Donau aus dem Wiener Canale nach Ungarn bis an die türk. Grän-
ze beginnt zu Anfange des Frühlings, sobald derselbe gänzlich vom Eise
befreyt ist, und dauert bis zum Spätherbste. Zur Aufnahme auf Do-
nauschiffen wendet man sich an die hiesigen Schiffleute, deren Magazine
sich auf dem linken Donauufer, unterhalb der Ferdinandsbrücke befinden.
Die Fahrt von Wien abwärts ist jedoch für Reisende weder so bequem
(die neu errichteten Dampfschiffe ausgenommen), noch so abwech-
selnd und angenehm. Von Wien aus fährt man, am Ende des Pra-
ters vorüber, die langweilige Simmeringer Haide zur Seite gegen die
euroväisch berühmte Lobau zu, und nähert sich Kaiser-Ebersdorf
un der Mündung des Schwechatstusses. Mannswörth und dessen an-
genehmen Auen vorüber läuft der Strom von Fisch am end, über Ne-
gelsbrunn, Wi l f ingsmauer , Petronel l (durch seine röm.
Alterthümer merkwürdig) bis Alten bürg und Hain bürg hart an der
Poststraße, ohne besonders reizende Übersichten zu gewähren; links sind
einzig und allein nur Auen zu sehen. Bald jedoch, an der ungar.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie