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Donaugesell sch a ft. 741
Orte, hauptsächlich aber der Anblick der geschichtlich merkwürdigen Fe-
stung Belgrad beleben dieses Einerley. Nachdem man auch diese, so
wie Panczova vorüber ist, folgen in schöner gebirgiger Landschaft die
Dörfer Wnische, Ripotek und Krozka, dann die wichtige türk.
Festung Semendria, die Orte Kubin, Dubovacz, Uj-Pa-
lanka gegenüber der serb. Festung Rama, worauf sich die beyden
großen Inseln Nova.Oaya und Moldava zeigen. Hier ist auch der in-
mitten des Flusses liegende Fels Babagaj und der Pasi Tatalia, woselbst
die Donau voll verderbendrohender Klippen ist. Weiter erblickt man die
Ruinen Trikul is, die serb. Orte Columbacz und Dobra, die In-
sel Boracz, den gefahrlichen Fels Kaszan, welcher, sich in die Mitte
des engen Strombettes lagernd, einen mächtigen Wirbel erzeugt, d?r
behutsame Fahrt erfordert; dann die berühmte veteranische Höhle, deren
innerer Raum über 16 Klftr. lang, 12 Klftr. breit, und 10 Klftr.
hoch ist. Sie kann 6 bis 700 Mann in sich fassen, enthält auch eine Ci-
sterne, einen Backofen, Feuerherd und Pulvermagazin, und ist in
militärischer Hinsicht sehr wichtig, davon hier aus der zwischen steilen Ufern
eingeengte Strom gänzlich beherrscht werden kann, wie denn dieser Platz
auch bey den Türkenkriegen oft mit vielem Vortheil benutzt ward. Von
da aus ist nur mehr eine kurze Strecke zu dem Marktflecken Alt-Or-
sowa, der an der äußersten Gränze liegt und somit der Fahrt auf österr.
Gebiethe ein Ziel setzt.
Donaugesellschaft, gelehrte (soäalitazlitei'Ii'iavanukiana).
Unter Kaiser Maximi l ian I. hatten die Wissenschaften in Wien ei-
nen höchst erfreulichen Aufschwung genommen; die Universität zeichnete
sich vor allen übrigen in Deutschland durch die große Anzahl gelehrter
Professoren und durch einen seltnen Zulauf von Schülern aus. 1497
war der als Dichter mit Recht hoch gefeyerte Conrad Celtes beru-
fen worden, und ihm verdankt Wien einen großen Theil des gelehrten
Rufes, welcher im Anfange des 16. Jahrhunderts in allen Ländern er-
scholl. Er war insbesondere für Wien der Impuls zu einer Thätigkeit,
welche in kurzer Zeit die herrlichsten Früchte zu Tage forderte. Schon frü-
her batte Celtes eine gelehrte Gesellschaft am Nheine (s^alnaZlit^l-a-
ria klienana) zu Stande gebracht; er veranlaßte die Gründung einer
ahnlichen auch in Wien. Die durch Rang und wissenschaftliche Bildung
allsgezeichnetsten Männer traten dem Vereine bey; ein eigenes Haus in
der Singerstraße ward ihm gewidmet, und als Celtes (1497) in
Wien ankam, begrüßten ihn schon die vorzüglichsten Mitglieder mit
Gedichten als Zeichen ihrer Verehrung. Wir nennen aus ihnen: Pe-
ter Krachenberger (I^ei-ius (^raccuZ), ein Passauer, Marimi-
l ian 's Geheimschreiber, Geschichtsforscher und Redner; A u g u s t i n
Kaesenbrot (^'izugtinus Olomucensig), als Evigrammatiker vor-
zugsweise ausgezeichnet; I o h . Sp ieß Hammer (lüuzpinianus), ge-
krönter Dichter, Historiograph und vielseitiger Staatsmann; Andreas
S töbe r t (6tiboriu8) von V i l s h o f e n in Bayern, Mathematiker
und Domherr zu W i e n ; I o h . S t a b i u s , Mathematiker, Dichter,
Oeschichtsschreiber und Maximi l ian 's unzertrennlicher Begleiter auf
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie