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718 D r a u. — D r e ch s l e r.
auf zehn Jahre, und ertheilte ihm die Anwartschaft auf die Hede-
var'schen Güter. Sehr viele gute Vorkehrungen gegen die Einfalle der
Türken, und manche weise Gesetze verdankte Ungarn seiner Thätigkeit.
Schade, dasi er so frühe dem großen Wirkungskreise entrissen ward.
^.urz darauf/ als er von k. Commissarien in Ovar installirt worden
war, überfiel ihn ebenda eine Krankheit, an welcher er den 5. Aug.
1643 verschied. Sein Leichnam wurde nach Preß bürg gebracht,
und in der Domkirche beygesetzt.
Drau (Drave). Dieser Fluß entspringt in Tyrol auf der soge-
nannten Toblacher Heide, wo er aus einer Gruppe von Kaltalpen als
ein kleines Wässerchen hervorkommt. Er nimmt den durch die Tefferegger-
Ache vergrößerten Iselfiuß, die Mur, und mehrere kleine Bäche auf,
wird bey Villach in Kärnthen schiffbar, und fallt nach einem Laufe
von 63 Meilen unterhalb Essegg in Croatien beym Schlosse Erdödy
in die Donau.
Drechsler, I o s , Professor der Harmonielehre an der k. k. Nor-
malhauptschule St. Anna, Capellmeister in der Kirche zu den 9 Chören
der Engel am Hof in Wien, ist geboren zu W ä l l i sch b ü r ch e n
in Böhmen den 26. May 1732. Von seinem Vater, welcher Cantor
daselbst war, genoß er den ersten Unterricht im Schulfache und in der
Musik und machte besonders in letzterer bedeutende Fortschritte. 1791
kam er als Sopranist zu den Franciscanern nach Passau, und nach-
dem er sich daselbst die deutsche Sprache vollkommen eigen gemacht
hatte, wurde er im Stifte Formbach als Sängerknabe aufgenommen,
wo er nebst den Humanioren auch Generalbaß und den Contrapunct
studirte. Schon in seinem 16. Jahre schrieb er mehrere Messen und Ge-
legenheirscantaten. In Prag absolvirte er vollends die theologischen
Srudien, da er jedoch wegen zu großer Jugend nicht die kirchliche Weihe
erhalten konnte, studirte er das Rechtsfach und componirte nebstbey in
vielen Fächern mit Glück. Besondern Beyfall erhielt eine Messe in C,
welche bey P o l t aufgelegt wurde und nun gänzlich vergriffen ist.
1307 kam er nach Wien und wurde 1310 Operncorrepetitor imKärnth-
nerthor-Thearer, zugleich gab er wöchentlich drey Mahl unentgeldlichen
Unterricht im Generalbasse und Orgelspielen, und erhielt nach 3 Jahren
Erlaubniß, seine Vorlesungen bey St . Anna öffentlich halten zu dürfen.
1314 wurde er als Capellmeisters-Adjunct beym Kärnthnerthor-Theater
angestellt, verlor jedoch bald durch Directionswechsel seine Stelle wieder,
und nährte sich einige Zeit von Musikunterricht. 1815 erhielt er die
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dereröffnung des Iosephstädter Theaters die erste Capellmeisterstelle in
demselben. 1824 wurde er als Capellmeister des Leopoldstädter Tbeaters
engagirt, welche Stelle er bis 1329 versah und während dieser Zeir
viele sehr beliebte Theater-Compositionen lieferte. Seine erschienenen
Werke sind: Eine Orgelschule. — Ple y el's vermehrte Clavierschule in
2 Abtheilungen. — Theoretisch-practischer Leitfaden, ohne Kenntniß des
Contrapuuctes präludiren zu können. Ferner ein großes Requiem;
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie