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Drechsler - Arbeitcn. 749
7 große und 3 kleine Messen; mehrere Offertorien, ein Veni
F^iriluZ-, Oraduale, Quartetten, Arien; 2 Cantaten; ein Melo-
dram (der Verlorne Sohn) ; dann 6 Opern / worunter Claudine von
Villa Bella; Pauline und der Zauberkorb besonders erwähnenswert!);
13 komische Singspiele, davon mehrere, z. B. Gisperl und Fisperl,
das Feenmädchen, der Diamant des Geisterkönigs, Vdor, Sylphide, und
Kabale und Liebe (Travestie), noch in gutem Andenken stehen, 2
Pantominen, mehrere Streichquartette, Sonaten, Fugen und Lieder.
Auch componirte er 1825 bey Einweihung des neuen israelitischen Tem-
pels eine große Cantate (zum hebräischen Texte) nebst vielen Gesängen
zum Gottesdienste in demselben.
Drechsler-Arbeiten. Die Drechsler bilden im österr. Staate
besondere Zünfte, und in Osterreich unter der Enns besteht für sie seit
27. Jan. 1751 eine Handwerksordnung, worin, so wie in spätern An-
ordnungen, die Bedingungen des Meisterwerdens und die Meisterstücke
genau vorgeschrieben sind. Die Verfertigung der Kinderspielwaaren ist
jedoch freye Beschäftigung. — In allen Provinzen des österr. Staates
wlrd die Drechslerey in größerer oder geringerer Ausdehnung betrieben,
doch in den meisten beschränkt sie sich auf das Bedürfniß desZ Landes und
auf gemeinere Gegenstände, und in manchen Gegenden, wie in Sieben-
bürgen und in mehreren Theilen der Militär-Gränze verfertigt der Land-
mann sich selbst seinen Bedarf an gedrechselten Gerathen. Fabriksmäsiig
dagegen und in einem hohen Grade der Vollkommenheit wird dieses Ge-
werbein Wien betrieben, besonders seit 20 Jahren. Schon das Allgemei-
nerwerden des Tabakrauchens hatte auf die Drechslerey einen bedeutenden
Einfluß, und machte die Verfertigung der Tabakspfeifenröhre zu einem
sehr erheblichen Erwerbszweige. Durch Bey er, der mehrere Jahre in
Paris etablirt wur, und nach dem Ausbruche der Revolution sich in seine
Vaterstadt Wien zurückzog, gewann die Drechslerey daselbst neue Fort-
schritte, indem er die inländischen D. A. mit vielen Galanteriewaaren
bereicherte. Von nun an gedieh dieses Gewerbe immer mehr, und er-
reichre eine Vollkommenheit, wie vielleicht in keinem andern Staate,
selbst Frankreich nicht ausgenommen. Die zweckmäßige Theilung der
Wiener Drechsler in dl'e verschiedenen Arbeitsgattungen, und die dadurch
möglich gemachten niedrigen Preise sind Hauptursachen der großen Fort-
schritte in so kurzer Zeit. Drechslerwaaren aller Gattung, doch mehr
die feineren Galanteriewaaren und gedrehte Metallwaaren werden in
großer Menge und von ausgezeichneter Schönheit und Gute ve fertigt.
Gegenwärtig besinden sich in Wien über 30 bürge liche Drechslermeister,
über 70 befugte Drechsler, und einige Perlenmutteraröeiter. In Oster-
reich ob der Enns, in Steyermark, Illyrien und Tyrol werden größten-
theils die gewöhnllchen Drechslerwaaren verfertigt; bloß die Steinbocks-
waären aus Tyrol sind in dieser Hinsicht der Allszeichnung werth. Im
lombardisch-venetianischen Königreiche sind alle bedeutenderen Ortschaften
mit Drechslern versehen, welche gemeine sowohl als feine Arbeiten in
Menge liefern. Die Drechsler in Ungarn, Siebenbürgen und Galizien
verfertigen alle gemeineren Gegenstände, besonders Holzteller, Spilin-
geräthe, und Tabakspfeifenmundstücke und Röhre. Sehr viele Mundstücke,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie