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Dreyßigjahriger Rrieg. 752
war der Reibungen kein Ende mehr. Beyde Theile rüsteten sich; beyde
Theile immer mehr gereizt, harrten sichtbar auf die Losung zum Kriege.
Diese gab ein Aufstand in Böhmen, der sich in mehrere Erbländer
verbreitete, Deutschland allgewaltig zündend erfaßte, und so die näch-
ste Veranlassung eines Krieges wurde, durch den beynahe ganz Europa
in Bewegung gerieth. Die böhmischen Utraquisten auf Rudolph I I .
Majestätsbrief sich stützend, den sie überdieß nach ihrem Wohlgefallen er-
klärten und ausdehnten, versuchten auf des Erzbischofs zu Prag und
des Abtes von Braun au Grund und Boden Kirchen zu bauen. Dar-
über kam es zu offenem Streite; die gegenseitigen Vorstellungen ver-
mehrten die Erbitterung; und nachdem des Kaisers Minister und Rathe
von einigen Großen, im Vertrauen auf auslandische Unterstützung, bey
einem entstandenen Wortwechsel zu Prag aus dem Schloßfensier ge-
stürzt worden (23. May 1618), war wohl an Erhaltung der Ruhe nicht
mehr zu denken. Graf Mathias vonThurn, reich, angesehen, ehrgeizig
und kampferfahren, stellte sich an die Spitze der Unzufriedenen, setzte
die frühere Regierung außer Wirksamkeit, ernannte 30 Directoren,
warb Truppen und ließ sich zu ihrem Feldherrn erwählen. Die Jesuiten
wurden aus dem Lande vertrieben, durchgehends Schritte des Aufruhrs,
doch Kaiser Mathias wünschte die Sache in Güte beyzulegen. Indessen
besetzten die Insurgenten ganz Böhmen, mit Ausnahme dreyer Städte,
Budweis, Kr um mau und Pilsen, traten mit den Niederlanden
und einigen Fürsten der Union in Verbindung, riefen die übrigen Erblander
zur Thellnahme auf und zogen den Grafen von Mansfeld an sich. Nun
war es hoheZeit, dem Übel mit gewaffneterHand zu steuern. Die kaiserl.
Truppen unter Dampierre undBucquoy drangen in Böhmen ein;
Graf Thurn mit 30,000 Mann konnte es nicht hindern, nahm aber
Krumm au weg und belagerte Budweis. Diese treue Stadt entsetzten
zwar die Kaiserlichen, dagegen eroberte Graf von Mansfeld Pilsen.
Nun traten auch Schlesien und die Lausitz der Conföderation bey; Mäh-
ren nöthigte Graf Thurn, der bis nach Osterreich vordrang, durch ei-
nen raschen Überfall dazu. Unter diesen Unruhen starb Kaiser Mathias
zu Wien am 20. März 1619. Sein Tod entwickelte Vieles deutlicher;
gewiß ist, daß wohl nie ein Herrscher unter mißlicheren Umständen den
Thron seiner Väter bestieg, als Ferdinand I I . Seine militärische
Macht war ohne Bedeutung, selbst Österreichs evangelische Stände vei>
weigerten die Huldigung und verlangten trotzig die Erlaubniß zur Con-
föderation mit den Böhmen, die bereits auf Wien loszogen. Sieben-
bürgens Fürst, Gabriel Bethlen, stellte sich an die Spitze der ungari-
schen Protestanten und bedrohte von der Fischa her die Hauptstadt. Am
5. Iuny 1619 erschien Graf Thurn vor den Thoren Wien's, das sich
in voller Oährung befand. Ferdinand's Lage war verzweifelt; doch
stark im Glauben, verlor er die Fassung nicht; selbst, als die Absicht
der Wiener Protestanten immer lauter ward. Mit hohem Muthe wies
er alle Vorschläge seiner Räthe zurück; nicht minder unerschrocken trat
er den 16 österr. Landherren entgegen, die in seine Zimmer gedrungen
waren, und barschen Tones die Genehmigung der erniedrigendsten
Anträge begehrten. Sein Glaube war nicht vergebens, denn in diesem
Hesterr. Nat. Encykl. Vd. I.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie