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756 Dreyßigjähriger Rrieg.
Pappenheim einen Aufruhr der Bauern in Österreich ob der Enns
stillte, drangen T i l l y und W a l l e n s t e i n in Holstein und Iüt-
land ein, bemächtigten sich dieser Lande, und letzterer machte schon An-
sialten, einen Einfall in die dänischen Inseln zu thun. Der niedersäch-
sische Kreis suchte den Frieden; die Herzoge von Mecklenburg und der
Administrator von Magdeburg wurden in die Acht erklärs; das in-
haltsschwere Ostseeproject, von Spanien ausgehend, trat ans Licht.
Wal len stein belagerte zweymahl Stralsund und besetzte die gan-
ze deutsche Küste der Ostsee. Sein Verhalten ist^nie zu vertheidigen;
der Druck seiner Truppen war entsetzlich, sein Ubermuth gränzenlos.
Er reizte auf vielfache Weise Schwedens König/ und opferte endlich/
um sich in Mecklenburg, das ihm verliehen worden, desto sicherer zu
^"Häupten, alle Projecte auf die Ostsee und Niedersachsen dem Könige
.n Dänemark, der diese glücklichen Umstände benülöte, und mit ihn:
am 12. May 1629 den Frieden zu Lübeck abschloß/Der König erhielt
alle Verlornen Länder wieder, erkannte Wallenstein als Herzog zu
Mecklenburg, und begab sich alles Widerspruches gegen^en Kaiser
in deutschen Sachen ausier als Herzog zu Holstein :c. So war denn
Ferdinand I I . Sache vorwärts geschritten, seine Macht begründet, sein
Wort entscheidend. Allein in so manchen Umständen lagen Keime, wel-
che die Fortsetzung des Krieges bedingten; dahingehört vorzugsweise
das am 6. März 1629 publicirte Restitutionsedict, vermög dem die
Reformirten nicht geduldet werden, die Lutheraner aber gehalten seyn
sollten, alle seit dem Passauer Vertrage eingezogenen Kirchengüter :c. an
die Katholiken herauszugeben. Daraus entsprangen tausend Reibungen;
der Collegialtag zu Regensburg vermochte sie nicht zu heben. Bes-
ser gelang auf demselben die Entwaffnung des Kaisers. Allgemein erho-
ben sich Klagen gegen Wal lenstein; Ferdinand gab nach, wohl
auch von Nebenrücksichten geleitet, entfernte seinen Feldherrn, der ganz
ruhig zum Privatleben zurückkehrte, entließ den grösiten Theil seines
Heeres, und liesi sich so von Frankreich und zum Theile auch von Bayern
der mißlichen Lage entgegenführen, die in Kurzem ihm höchst gefährlich
ward. Dazu kam noch der mantuanische Successionsstreit. Er schickte
20,000 Mann nach Italien, die zwar Man tua eroberten, aber nach-
her zur Zeit der Noth fehlten. Richelieu erreichte alle seine Absichten.
Schon lange stand Oustav Adolph von Schweden zum Kampfe gerü-
stet, nun schien es ihm Zeit, in das Räderwerk der deutschen Angelegenhei-
ten einzugreifen. Er landete ohne weitere Kriegserklärung am 24. Iuny
1l>30 auf Rüden, bemächtigte sich der Insel Rügen, und der Aus-
siüsse der Oder, besetzte Pommern und zum Theile Mecklenburg
und faßte so festen Fuß auf deutschem Boden. Die protestantischen Für^
sten warben Truppen, die Vollstreckung des Nestitutionsedictes mit Ge-
walt abzuwehren. Kaiser Ferdinand kannte die Gefahr nicht; er fuhr
fort mit seinen Plänen, und reizte die Gemüther immer stärker. Gu-
stav Adolph sel-te den Winter hindurch seine Unternehmungen vor-
theilhaft forr, schloß mit Frankreich einen Subsidienvertrag auf 5 Jah-
re, den 10. Jan. 163l, und eroberte am 3. April Frankfurt an der
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie