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D u r m e r . — D u s s e k. 765
Haupt seine gelehrten Mittheilungen die Arbeiten Prochas la 's ,
Voigt's und Anderer vorzugsweise förderten. Mit Prochaska erhielt
er 1773 vom Prager Erzbischofe den Auftrag, eine verbesserte Ausgabe
der böhm. Bibel zu besorgen; diese Arbeit war nach 2 Jahren geendet
und mit vielem Beyfall aufgenommen. Nach Aufhebung der Jesuiten
versah er 10 Jahre d:e Stelle eines Examinators aus der griechischen und
hebräischen Sprache, und als sein Convent in Prag selbst aufgelöst
wurde, kam er 1785 in das Kloster nach Wien, was seiner Absicht,
die Schatze der kaiserl. Bibliothek für die allgemeine slavische Literatur
zu benutzen, entsprach. Obschon mehrereIahre (amPodagra) kränkelnd,
that er dieses mit dem glücklichsten Erfolge, und verfertigte nebstbey nach
dem Zeugnisse des verehrten Denis einen sehr werthvollen Catalog
der hebräischen Bücher in genannter Bibliothek. 1795 sing er endlich
an, seine Arbeiten zu ordnen, und es erschien der erste Band seiner
Vikliolkeca Llavica; wofür er von der königl. Gesellschaft in Prag
als Anerkennung die große Medaille erhielt. Da 1796 das Pauliner-
kloster auf der Wieden einging, verließ er Wien, und kehrte in seine
Vaterstadt Turnau zurück, wo er sich außerhalb der Stadt ein kleines
Hauschen baute, in dem er unter vielfachen körperlichen Leiden, doch
immer rastlos thätig die letzten Tage seines Lebens zubrachte. Die kais.
Gnade, welche ihm eine Zulage von 200 fl. bestimmte, und die Freund-
schaft des Turnauer Dechants erheiterten die trübe Wolke, mit der eine
höchst langwierige Krankheit seinen Geist umflort hatte. Er starb am
31. Aug. 1302; viel zu früh für die Wissenschaften. Nebst 6 starken
Quartbänden gelehrter Auszüge im Manuscripte, welche nach seinem
Tode in Dobrowsty's Hände kamen, und die nach dem Urtheile
dieses grofien Kenners einen Schatz von kritischen Bemerkungen für di5
slavische Literatur enthalten, hinterließ er als entsprechende Resultate
seiner unermüdeten Forschungen im Drucke folgende wichtige Schriften:
riemica 5acri cockciä vertone Di556Nali0. Prag,
slavica 2Ntl^ul58imae t^ialecti coinmunis
et 6ccl65l'a5tica6 univei-526 slavorum ßentis. 1 Bd. Wien, 1795.
Nach dem ersten Entwürfe sollte es in 5 Bänden bestehen.
Durmer, F. v . , Kupferstecher in punctirter Manier, geb. zu
Wien 1766, studirte daselbst, wurde Mitglied der Akademie der bilden-
den Künste und zeichnete sich bald durch sehr gelungene Arbeiten aus, voll
welchen die vorzüglichsten sind: I>gnci5cu5 I I . Imperator. — M
I'kei'esia, Imperatrix.— ^lizabetli, (^ omt655e ^e I^35umoK
Die vier Iahrszeiten, nach Guido; — Callas, ?il5 6' Lvanäre; —
Aewui- li' ^rminiu5, beyde nach Angelica Kaufmann.
Dussek, Franz, einer der größten Clavierspieler seiner Zeit,
zu Chotieboret in Böhmen von armen Ältern 1736, den 8. Dec.
geboren, wo ihn sein damahliger Grundherr, Graf v. Spork, so-
wohl im Lesen und Schreiben, als auch in der Musik unterrichten, dann
zu Königgrätz im Iesuitenseminarium studiren ließ. Hier hielt er
sich aber nur einige Jahre auf, weil sein sonst gut gebildeter und gesun-
der Körper durch einen unglücklichen Fall so verunstaltet wurde, daß er
sich genöthiget sah, seine ferneren Studien aufzugeben, und sein wei-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Band 1
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe A-D
- Band
- 1
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 788
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie