Seite - 375 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Bild der Seite - 375 -
Text der Seite - 375 -
G i o l? r a.
falls ausgezeichneter Mechaniker und Erfinder der sehr zweckmäßigen
Aderlaß-Lanzettmaschine, hatte vertrauten Umgang mit dem vortheil-
haft bekannten Historienmaler Unterberger, welcher die früh reifen-
den Talente G.'s erkannte und mit Liebe pflegte/ auch den schon lange
im Stillen gehegten Vorsatz des bereits in der Mechanik sehr vor-
geschrittenen Jünglings, eine Graoirmaschine für Schabkünstler zu ver-
fertigen, zurReife brachte. Diese gelang denn auch so gut, daß er v?n
der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien eine Remuneration
von 79» fi. dafür erhielt. Bald darauf wurde er als Maschinist des
Theaters an der Wien von dem damahligen Director Schikaneder
angestellt, und übernahm mit diesem die Leitung der inneren Bühnen-
einrichnmg, bey welcher Gelegenheit er die nützlichsten Erfahrungen über
scenische und ovtische Wirkungen machte, welche ihm spater so vortheil-
haft zu Statten kamen. Die Auflösung dieser Direction brachre ihn in
derselben Eigenschaft nach B r ünn. Da sich indeß auch diese Unterneh-
mung bald wieder zerschlug, faßte G., der sich schon früher mit Ver-
fertigung optischer Gegenstände beschäftigt hatte, den Entschluß, opti-
sche Darstellungen zu verfertige» und sie öffentlich zu produciren. Ohne
eigentlichen Unterricht genossen zu haben, brachte er aus dem reichen
Schatz seiner Erfahrungen und durch die glücklichste Nachahmungsgabe
wahre kleine Wunderwerke dieser Art zu Stande, welche alles, was
ftühere Künstler in diesem Fache leisteten) weit hinter sich zurückließen.
In seinen zoophysischen Darstellungen,, wie er sie nannte, waren die
schönsten Gegenden mit treuem, wahrhaft täuschenden Pinsel der Na-
tur gleichsam aus dem Spiegel gestohlen. So z. B. Prag mit der be-
rühmten Brücke, Trie st mic dem Hafen, B r ü n n, der Paß Finstermünz
in Tyrol, Schweizergegenden, See- und Gebirgsansichten, alte
Burgen lc., alles so trefflich gemalt und so richtig optisch zusammenge-
stellt, daß jeder, dem diese Gegenden bekannt waren, sich wie durch ei-
nen Zauberschlag dahin versetzt glaubte, der Fremde aber eine treue An-
sicht erhielt, deren Wahrheit ihm auch das schönste Gemälde nicht zuge-
ben im Stande war, dabey waren die Figuren, mit deneu er seine Ge-
genden belebte, allen ähnlichen durch ihre leichte, runde und wahrhaft
natürliche Bewegung weit vorzuziehen. Leicht hätte G. noch manche an-
dere brauchbare Kenntnisse , die er z. B. besonders im Fache der Architec-
tur besaß, zu wahrhaft nützlichen Zwecken verwenden können, allein es
fehlte ihm in spätern Jahren an Unterstützung und Aufmunterung, deren
er bey seiner angebornen Blödigkeit am meisten bedürfte; an Schulzeug-
niffen, um die er sich nie bewarb, und hauptsächlich an der Gabe, über
das, was er practisch zu leisten im Stande war, auch sich theoretisch aus-
sprechen zu können. Er gehörte ganz gewiß zu jenen Talenten, die, wä-
ren sie vom Schicksal begünstigt gewesen, auch im Großen Wesentliches
würden geleistet haben, wie sie es im Kleinen leisteten. Sein Bruder
Giovanni G. , ebenfalls ein ausgezeichneter Mechaniker, erbaute die
vortreffliche Baumwollspinnmaschine in der Manufactur des Freyh. von
Putyon in Teesd orf und wurde daun Werkführer dieser Anstalt,
Giskra, Ioh. Brandeis v>, ein berühmter böhmischer Helo,
war ein Hussit und wurde von der Königinn Elisabeth, Mutter des
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie