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großes, von ihm selbst verlegtes Blatt: Madonna mit dem schlafende,»I».
suskinde, den ersten großen Preis in einer goldenen Medaille mit dem Brust,
bilde des Kaisers Fra n z, 24 Duc. schwer, bestehend. In der Folge wurde
G. durch den kunstliebenden Erzherzog Anton als Pensionär unterstützt
und er fuhr nun fort, sich mit lobenswerthem Fleisie der Ausübung seiner
Kunst zu widmen. Seine gelungensten Arbeiten sind: Portrait nach Ede»
linck; Madonna nach Sassoferato; heil. Agnes, nach Guercino; Madonna
mit dem Jesuskinde auf den rechten Arm und einemBuche in der linken
Hand, nach Andrea del Sarto; die heil. Familie, nach Raphael; dann lie-
ferte G. auch einige Blatter zu demHaas'schen Galleriewerte, z. B.PHi-
lemon und Baucis, nach Iordaen^, die Taufe Christi nachGuido Renizc.
Gleich, Ios. Aloys, Theaterdichter und Romanschriftsteller,
wurde geboren zu Wien den 14. Sept. 1772. Nach vollendeten Studien
der Humanioren bey den Piaristcn in der Iosephstadc, absolvirte er
auf der Universität die damahls üblichen 3 Curse der Philosophie, mach»
te sich die französ. und ital. Sprache eigen, studirte dieStaatsrechnungs«
Wissenschaft und wurde bereits in seinem l 8. Jahre als k. k. Staatsbeain,
ter angestellt. Durch 40 Jahre leistete G. als solcher ersprießliche Dien»
sie; 1830 trat er, seiner geschwächten Gesundheit wegen, zwar in einen
ehrenvollen Ruhestand, wobey ihm der ganze Gehalt belassen wurde,
da er jedoch in Zeit von 2 Jahren seine Gesundheit so ziemlich wieder
hergestellt hatte, trat er, um nicht dem Staate unthätig zur Last zu fal»
len, aufs Neue mehrere einem kaiserl. Hofbeamten obliegende Beschaf»
tigungen an. Schon in früher Jugend versuchte sich G. als Romanschrift-
steller, er wählte das damahls eben im Schwung gehende Fach der Rit-
ter-, Geister- und Schauergeschichten mit vielem Glücke und erhob sich
bald, obschon immer Pseudonym auftretend, zu einem der beliebtesten
Repräsentanten dieses Faches. Seine unbestreitbar reiche Einbildungskraft
«nd glückliche Darstellungsgabe, so wie die Dankbarkeit des Vorwurfes
und die Empfänglichkeit der Lesewelt, die ähnlichen Producten wohlauf
halbem Wege entgegenkam, erklären dieMenge seiner derartigen Erzeug-
nisse, deren Zahl in nicht langer Zeit 130 überstieg, wovon einige wirt-
lich recht gelungen waren und als Species den endlich. Gottlob erfolg-
ten Fall des ganzen Genus, geraume Zeit überlebten. Als der Geschmack
des Publicums endlich wohl auch durch Übersättigung an Producten
dieser Art abnahm, widmete sichG. theatralischen Arbeiten, deren ervie-
le und darunter ebenfalls mehrere sehr gelungene lieferte, besonders
glücklich ist er in diesem Felde in Wahl und Behandlung des Stoffes,
sein Dialog ist gewandt und oft sehr witzig, die Situationen hingegen
größtentheils mager und die Verkettung lose< Mehrere derselben werden
jedoch noch heute mit Vergnügen gesehen. Die besten seiner Ritterromane,
die er, wie gesagt, gewöhnlich unter fremder Firma z.B. Vom Verfasser
des schwarzen Ritters, von Ludw. Dellarosa, Heinr. Walden u. a. m. her-
ausgab, sind: Bey Haasin Wien: Zauberinn Ietta; — Guntrams Schat-
ten um Mitternacht; —Wendelin von Hollenstein; —Brüder Markenstein;
— Die Sternenwandlerinn; —> DieTodtenfackel oder dieHöhle der Sie-
benschläfer;— Die 300jährige Wandlerinn.— Bey Mostl in Krems: Der
schwarzeRitter; —MutterIrmentraud; —Artiger, dergraueWanderer; —
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie