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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Seite - 386 -
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IZ6 G l"'U'/ck7!^i'>- dielt er endlich durch den kunstverständigen Florentiner/ Ranieri di Calzabigi eine Reihe besserer Operntexte, worin die Handlung, ge- hörig motivirt und der Zusammenhang genau beobachtet erschien, und so war es denn auch hier die kunstsinnige Kaiserstadt, »diel Wiege und Pfianzschule so manches großen Talentes, welche auch dem Genie dieses großen Meisters den rechten Schwung gab, und ihm die gehörige Bahn anwies. Nach richtigen Grundsätzen und mit geremiMm Geschmacke componirte hier G. seine herrlichen Werte: Alceste, Orpheus, und He- lena und Paris, welche daselbst auch im Stiche erschienen, und in ihrer großartigen Neuheit ungeheures Aufsehen erregten, sowie auch den un- Iterbliche.i Ruhm des großen Meisters zuerst begründeten. Auch schrieb er 1765 jenes berühmte Drama zurVermahlungsfeyerKrnfer Joseph's l l . , in welchem die Erzherzoginn Amalie den Apollo, die Erzherzoginnen Elisabeth, Joseph ine und Caroline die drey Grazien vor- stellte.,. Nun erscholl sein Ruhm auch in Italien, und der Beyfall, den diese Opern selbst in diesem, durch lose Speise verwöhnten Lande fan- den, war so groß, daß die Bühne in Bologna allein in einer Win- tersaison mit seinem Orpheus 900,000 Lire einnahm. 1772 compo- nirte G. in Anregung seines Freundes Ba i l l i de Rollet für die gro- ße Oper in Paris sein herrliches Meisterwerk: Iphigenie in Aulis. 1774 ging er selbst nach Par is, und obschon die allezeit vorurtheils- volle französische Eitelkeit sich der Aufführung mit allen Kräften wider- setzte und selbe nur durch einen eigenen Befehl der Königinn Maria Antonia, G.'s Schülerinn und Oönnerinn von Wien aus, bewirkt wer- den konnte, so war doch der Eindruck, den diese Musik hervorbrachte, beyspiellos. Schon die Ouvertüre mußte, ein bisher in Frankreich unerhörter Fall, wiederholt werden, mit jedem Musikstücke steigerte sich der Enthusiasmus des Publicums und die Oper wurde in Zeit von 2 Jah- ren 170 Mal gegeben. 1777 conwonirte er für dasselbe Theater: Armi- da, und 1779 sein größtes Meisterwerk, die noch heute in ewiger Iu- gendfrische blühende Oper: Iphigenie in Tauris. — Um diese Zeit er- hob sich auf Veranlassung der Reform, welche G. durch seine großarti- gen Compositionen in der Musik bewirkte, jener merkwürdige Streit zwi- schen seinen Verehrern und den Anhangern der ältern italienischen Schu- le, an deren Spitze der ebenfalls auch geniale Tonsetzer Piccini stand. GanzP a ris nahm Theil daran, man stritt mündlich und schriftlich, die Partheyen nannten sich G l u ckisten und Picci nisten , und fein- deten sich mit einer Bitterkeit an, wie nur in der Folge die Secten der Aristokraten und Demokraten. Doch hatten beyde Meister selbst nur kur- ze Zeit an diesem Zwiste Theil genommen, und waren schon langst Freun- de, als ihre Bewunderer noch immer auf das erbittertste gegen einan- der zu Felde zogen, ja G. warf den Entwurf der angefangenen Oper: Roland ins Feuer, da er vernahm, daß Piccini dasselbe Sujet zu componiren vorhatte. Nachdem er noch sein letztes vollendetes Wert: Echo und Narciß geschrieben hatte, kehrte G. 1782 nach Wien zurück, und starb daselbst den 15. Nov. 1787 mit Hinterlassung eines ansehnli- chen Vermögens, welches auf 360,000 fl. angegeben wird. Unvollendet
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe E-H, Band 2
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe E-H
Band
2
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
696
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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