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G ä r z e r R r e i s . 393
eine Provlnzialstadt vom zweyten Range weltläufig genug und auch ver-
hältnißmäßig gut bevölkert. Die vorzüglichsten Kirchen sind: Die Dom-^
tirche, mit einem schönen Sacrarium und tem steinernen Denkmahl des"
letzten Grafen von Görz: Lienhart; die ehemahlige Iesuitenkirche,
mit einer imponirenden Vorderseite auf dem Hauptplatze Travnik. Das
daranstoßende Iesuitencollegium dient ietzt zur Caserne. Unter den öffent-
lichen Gebäuden zeichnen sich noch aus: Das Landhaus und die Munici-
palität/ die casa sieila'kenelicenxa, das Kloster der barmherzigen Brü-
der, nächst dem geschmackvollen Theater in der Vorstadt Studenitz;
wo auch eine schone Allee; das Schulhaus (Lyceum, Gymnasium und
Normalschulen)/ einst grästichW erdenberq'schesSeminar,1636erbaut;
das Alumnat, wo auch die theologischen Hörsäle angebracht sind. Schone
Gebäude sind ferner noch der Bischofshof mit dem daranstoßenden Gar-
teN, die Herrschaftshäuser der Görzischen Edelgeschlechter d'Orzon,
Thunn, Formentini, Eg kh,Lan thieri u. s. w.,und A ttems
in welchem der berühmte Römerstein'zu finden ist, welcher die Beweise
enthalt, daß Noreja in der Nähe von G. gestanden. -— Endlich sind
die Zuckerfabriken noch bemerkenswerth. — Kann man auch G. keine re-
gelmäßig angelegte Stadt nennen, so sind doch die meisten Hauser in
neuerem Style gebaut, die Gassen reinlich und mit Trottoirs versehen.
Görzer RreiS, im illyr. Küstenlande, gränzt südlich mit dem
Triester Kreise, östlich mit Krain, gegen Norden mit Karnthen undge«
gen Westen mit der venetianischen Delegation Friaul. Er ist größten-
theils ein Gebirgsland, dessen nördliche Gegenden die höheren Süd-Kalk-
Alpen einnehmeü, wie auch der Terglou unmittelbar daselbst dieses Ge-
bieth o!clich begränzt. Seinen Nahmen hat dieser Kreis von der Graf-
schaft Görz, deren gleichnahmiger Hauptort zugleich die größte Stadt
dieser ehemahligen Provinz ist, und mit welcher nach und nach alle übri-
gen Bestandtheile derselben vereinigt worden sind, nachdem schon lange
das große Ganze zerrissen und getheilt war, zu welchem dieser Erdstrich
überhaupt gehörte. Die ersten Landesbewohneri waren die Euganer; ihnen,
folgten die Carner, unter welchen sich die römische Herrschaft ausbreitete
und Tergeste undAquileja (Foi-um ^ulii) erbaut wurden. Der
lateinische Nahme des letztern Ortes gab zu dem Nahmen Friaul die
Veranlassung, einer Provinz, welche nach dem Verfall des römischen
Westreiches zu Car l des Großen italienischem Reiche gehörte.
Görz dagegen gehörte zu dem alten Illyricum und theilte mit diesem,
mit Friaul und Krain die Schicksale, bis es von Kaiser Heinrich IV.
zur eigenen Grafschaft erhoben wurde, und an die Grafen von Tyrol
erblich überging. Bald war nun Görz mit Tyrol vereint, bald getrennt.
Kaiser Maximi l ian I. ererbte Görz nach Aussterben der Grafen von
Görz in Folge alter Vertrage, welches nun bis 1809 bey Osterreich
blieb, dann an Frankreich abgetreten, 1814 aber wieder an Osterreich
zurückgekommen war. —Die Größe des G. K.es »betragt 43i geograph.
Q. M., worauf sich in 5 Städten, 2 Marktflecken und 316 Dörfern
114,350 Einwohner befinden. Er ist ein großes von den Alpen einge-
schlössenes'Tyal, mit den Flüssen Isonzo und Idriza, und wird in 3
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie