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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Seite - 403 -
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Gottschee. — Gottscheer. 403 Gottschee, illyrische Stadt im Neusiädtler Kreist des Herzog' thums Krain, auf einer Insel des weiter abwärts sich in die Erde öer- lierenden Riesebaches. Die kleine Stadt zahlt nur 17(1(1 Einwohner; sse ist aber der Hauptort eines dem Fürsten von Auersperg gehörigen Gebiets (des Gottscheerlaudes), welches seit 1823 unter dem Titel einer Grafschaft vorkam und 1791 zum Herzogthume G. erhoben wurde. Es ist das Vaterland der als Hausirer bekannten Oottscheer (s. d.). Der Bezirk G. ist zugleich der größte unter allen Bezirken Krams. . Gottscheer, aus dem illyrischen Herzogthum Gottschee, gleich- sam die Juden der Wenoen, sind in der ganzen österr. Monarchie als herumziehende Krämer und Hausirer mit Rosinen, Datteln, Mandeln, Feigen :c. bekannt. Sie sind eigentlich nicht slavischen Ursprungs, sondern Nachkömmlinge der alten Gothen, eines deutschen Volkes, das sich un- ter den Krämern niedergelassen hatte. Indessen hat dieser kleine Volks- stamm, wie er sich heut zu Tage befindet, für sich etwas ganz Eigenes, aus seinem ganzen Thun und Lassen kann der Gottscheer als der Jude der Wenden betrachtet werden, denn ein Israelit wird unter ihnen nicht geduldet. — Der heutige Gottscheer ist zum'Militärleben gar nicht geneigt, denn dazu fehlt es ihm an Herzhaftigkeit; sein ganzer Hang ist zum Handeln und Wandeln, womit er sein Leben nicht auf die glän- zendste Art zubringt, noch weniger ab« seine Familie, die er stets zu Hause läßt, welche den wenigen Ackerbau > wenn er einen hat, betrei- ben muß. Der Boden ist in diesem alten Iapidien so stiefmütterlich, daß ma» oft nur zwey Körner für einen der Aussaat erhält. Die ländliche Handthierung dieses so ziemlich fleißigen Volkes besteht in verschiede- nen Holzarbeiten, als: Siebe, Fässer, Trinkgeschirre u. dgl. auch Vorhängeschlösser lc. zu verfertigen, welche ins angrunzende Land und über die Sse geführt werden. Indessen alles dieses ist das Hauptgc- werde dieser Leute nicht, sondern, wie schon erwähnt worden, Handel und Wandel und alles mit Packrossen, denn da das ganze Land mei- stens einen unfruchtbaren Felsenboden hat,, so kann man mit Fuhr- werk nur mit großer Beschwerlichkeit oder wohl gar nicht fortkommen. Der Oottscheer zieht mit seinen geringen Waaren nicht allein in den angränzenden Provinzen herum, wo er sich den dort herrschenden schlechten deutschen Dialect angewöhnt hat, sondern auch entfernr davon. Hacquet fand sogar einige in der Moldau bey den Armeen im letzten Türkenlnege 1788 und das folgende Jahr auch in der Wala- chey. Ihre Waaren sind: Italienische candirte Früchte, Citronen, Pomeranzen, Oliven, Mandeln, Datteln u. dgl.; dann auch Baum- ö'hl, ausländische kostbare Weine in Bouteillen, und Rosoglio di Trie- fte, in den nahe gelegenen Provinzen allerley kleine Eisenwaaren, die in Krain verfertigt werden. Mit diesem kleinen Handel bleiben die G. oft Jahre lang von ihren Familien abwesend, wobey sie nicht die be- sten Sitten nach Hause bringen, und gcgen Weib und Kind zuletzt gleichgültig werden. Ihre Kleidung ist gewöhnlich ein Hemd von grober Leinwand , lange Beinkleider, ein glatter Rock von weißem Tuche und Stiefeln. Die Weiber verstehen sich, wie überall, vortrefflich dar- auf, den einfachen Stoff ihrer Kleidung durch bunte Zuthaten gefälli- 26 »
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe E-H, Band 2
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe E-H
Band
2
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
696
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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