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bekannter angesehener Ort vor. Um 900 wurde diese Stadt von den Un-
garn erobert und zerstört, welche sich in 7 Jahren darauf durch den Sieg
über den Bayerherzog Luitpold Steyermark auf 40 Jahre zinsbar
machten. 994 siedelten sich auch die Juden daselbst an und hatten in der
Carlau einen eigenen Iudenrichter. 1127 verlegte Markgraf Leopold
aus dem Hause der Traungauer seinen Regierungssitz vom Schlosse Steyer
in Oberösterreich nach der Burg in O., welche sodann eine geraume Zeit
Sitz der eigenen Landesfürsten Steyermarks blieb. In der noch vorhande-
nen Siftungsurkunde des Klosters Vovau durch denMarlgrafen O tto-
ka r V. wird G. zuerst eine landesfürstliche Stadt genannt. Den 29.
Iuny 1180 wurde Markgraf Otto kar VI. von Kaiser Friedrich I.
zum Herzoge und Steyermark zum Herzogthume erhoben. 1186 über-
trug der kinderlose Herzog'Ottolar aus eigener Macht unter wichtigen
Bedingnissen und unter dem Versprechen der Aufrechthaltung aller Rechte
der Stände die Erbfolge an Herzog Leopold VI . den Tugendhaften
von Osterreich-Babenberg, welcher auch nach dessen Tode 1192 die Re-
gierung dieses Landes antrat, wodurch Steyermark das erste Mahl mit
Osterreich vereinigt wurde und es bis zum Aussterben des Stammes Ba-
benberg mit Friedrich dem Stre i tbaren blieb, wo es dann die
Schicksale der osterr. Länder theilte. Nach der kurzen Herrschaft Otto-
kar's von Böhmen wurde die Steyermark^unter Albrecht I. aus dem
Hause Habsburg zum zweyten Mahle mit Osterreich vereinigt und blieb
fortan bey diesem Hause.—-1348 war ein starkes Erdbeben in G. 1360
ließ sich Herzog Rudolp HIV. daselbst mit großer Pracht huldigen und
ertheilte bey dieser Gelegenheit im Lehenhofe mehrere Lehen, das fol-
gende Jahr bestätigte dieser Fürst der Stadt G. die Niederlage der Kauf-
mannsgüter, das Bruckrecht über die Mur mit2 Orätzer-Pfennig für
einen geladenen Wagen und bestimmte ihre Gerichtsbarkeit auch außer
der Stadt. 1373 wurden die Kaufleute zu G. von allen Mauthen und
Zöllen im ganzen Lande, bis auf Widerruf befreyt, 1379 wurde durch
den Theilungsvertrag zwischen den Herzogen Albrecht I I I . und Leo-
pold den Biederen, letzterer alleiniger Herr von Steyermark, wo->
durch dieses Herzogthum wieder von Osterreich getrennt und G. aufs
Neue Residenz der Habsburgischen Fürsten der Leopoldinischen Linie wur-
de und es blieb, bis Kaiser Friedrich I I I . nachdem Tode seines Neffen
Ladislaus PostHumus 1457 beyde Lander wieder vereinigte. Der-
selbe Kaiser gab auch der Stadt neue festere Mauern und Schanzgraben,
führte mehrere Gebäude auf, so z. B. das Vicedomhaus, 1463 eitt
Franciscanerkloster, ein Dominicanerkloster, die Domkirche zu St. Ägyd,
u. a. m. und residirte selbst eine Zeitlang daselbst. Den 23. Apr. 1471
fiel der unverantwortliche Mord des wackern Andreas Bau in kircher
(s. d.) unter dem Murthore zu G. vor. 1480 streiften die Ungarn und
Türken verheerend bis an die Thore von G>, legten die Vorstadt St.
Leonhard, mehrere Schlösser in Schutt und Asche und zerstörten die
Kirche zum heil. Kreuz oder Landestrost genannt, gänzlich. 1496 ver-
bannte Kaiser Maximi l ianI . nach dem allgemeinen Wunsche der Lan-
deieinwoyner, die Juden auf immer aus G. und dem ganzen Lande.
l5l5 führte dieser Kaiser daselbst die ersten Dicasterien und Polizeyan-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie