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stalten und die erste Armenanstalt ein. 1530 gewann Luther's Lehre
in G. vorzüglich durch die Brüder von Eggenberg großen-Anhang.
1532 kamen die Türken neuerdings in die Nahe von G., eroberten und
plünderten die Stadt, bestürmten auch die Festung, worein die Bürger
sich geflüchtet hatten, jedoch vergebens, und wurden bald darauf auf dem
Fernitzerfelde durch die wackern Kriegshelden Ioh. Katzian er und den
Ritter von Auersperg geschlagen und zum Rückzüge gezwungen. 1564
wurde Erzherzog Carl, zweytgeborner Sohn des Kaisers F erd in a ndl.
nach dessen Tode, Alleinregent von Steyermark, wählte G. zur Resi-
denz und führte daselbst kön. Pracht ein.—1565 errichtete dieser Fürstden
sogenannten geheimen Rath, nun das Gubernium^ genannt, so wie
auch eine Hofkammer und eine innerösterr. Regierung, jetzt das Appella-
tioiugerichc. 1573 berief er die Jesuiten nach G>, ließ 1574 das soge-
nannte eiserne Thor und das Iesuitencollegium bauen, auch erließ er
eine besondere Gerichtsordnung, eine peinliche Landesgerichtsocdnung und
viele andere Gesetze zur Wohlfahrt des Landes, auch führte er 1576 die
höheren Wälle und Gräben um die Stadt auf und umstaltete das alte
Bergschloß daselbst in eine förmliche Festung nach der neueren Befesii-
gungslunst. 1577 erließ Carl eine eigene Kleiderordnung. 1536 errich-
tete er in O. eine Universität, welche den Jesuiten übergeben ward und
ließ ein scharfes Geboth gegen die Lutheraner ergehen. 1590 starb Erz-
herzog Carl und dessen 12jähriger Sohn, der nachherige Kaiser Fer-
dinand I I , trat unter Vormundschaft die Regierung an. 15Y8 erließ
er ein Decret mit dem Befehle, daß aller lutherischer Gottesdienst auf-
zuhören habe und verordnete, daß alle Prediger binnen 8 Tagen die erz-
herzoglichen Länder verlassen müßten; diegewesene lutherische Schule und
Kirche zu G. wurde in ein Kloster der Clarifsennnen umgewandelt. 160?
brannte der ganze dritte Sack ab, die größte Feuersbrunst, die man m
dieser Stadt kennt. Mit dem Tode des Kaisers Mathias, 1619 wurde
Ferdinand I I . Kaiser, und Steyermark auf immer mit Österreich ver-
eint. G. hörte auf, die Residenz der steyerm. Landesfürsten zu seyn und
die höchsten Regierungsstellen wurden nach Wien übertragen. 1625
wurde G. durch den Carmeliterplatz erweitert. 1634 wüthete die Pest i«
dieser Stadt. 1637 starb Kaiser Ferdinand I I . in Wien. Seine Leü
che wurde, seinem Willen gemäß, nach O. geführt und in dem von ihir,
erbauten Mausoleum beygesetzt. 1670 wurde die große Verschwörung
des Grafen Ta ttenbach mit den ungarischen Rebellen entdeckt, in de>-
sm Hause man für 6000 Mann Waffen fand. Der Graf wurde den
I. Dec. 1671 vor dem Rathhause in G. enthauptet. 1680 wüthete die
Pest aufs Neue furchtbar in G. 1683 flüchteten sich wegen Annäherung
der Türken alle Bewohner der Stadt mit ihrer Habe ins Gebirge. 1724
entstand das Armenhaus daselbst, 1732 das Strafhaus. 1737 fand ein
großer Bauernaufstand um G. Statt, der durch den Feldmarschall,
Prinzen von Hildburghausen gedampft wurde. 1756 wurden dis
Trinitarier daselbst eingeführt, 1769 wurde auf Befehl der Kaiserinn
Maria Th er esia ein Arbeitshaus in der Carlau errichtet, 1773 den.
16. Oct< hatte in O. der feyerliche Einzug des sogenannten Paters Re-
demptor mit 93 aus türkischer Sclaverey befreyten Christen Matt. 1770
Grätz. 409
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie