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war ein so starkes Erdbeben, daß sich die Festungsmauern spalteten. 1775
wurde die Normalschule zu O. feyerlich eröffnet und auch das Redouten-
und Schauspielhaus gebaut, 1781 gestattete Kaiser Joseph I I . den
Juden wieder die G.er Jahrmärkte zu besuchen. Das folgende Jahr kam
Papst Pius VI. auf semer Wienerreise durch G., dasselbeIahr wurden
daselbst die Carmelitecinnen und die Clarifferinnen aufgehoben und die Uni-
versität in ein Lyceum verwandelt. 1783 wurden die Trinicarie^', Kapu-
ziner und Dominicanerinnen aufgehoben. 1786 erbaute C asp. v. Ja-
comini den schönen, seinen Nahmen führenden Platz. 178? war große
Überschwemmung der Mur in G., das Waffer kam in den Stadtgraben
bis oberhalb des eisernen Thores. 179? den 10. Apr. rückten die Franzo-
sen zum ersten Mahlein O. ein, Napoleon Bonaparte bewohnte
dasStuben berg'sche Haus iu derHerrengasse; die Hauptstadt blieb 18
Tage in den Händen derselben, 1395 starb Mar ia Theresia, Grä-
finn von Arto is , Gemahlinn des nachherigen Königs von Frank-
reich, Carl X., in G. und wurde im Mausoleum des Kaisers Ferdi-
nand I I . beygefetzt. Den 14. Nov. desselben Jahres rückten die Fran-
zosen'zum zweyten Mahle in G. ein, und hielten diese Stadt bis 15. Jan.
1806 besetzt, wahrend welcher Zeit ihr starke Contributionen aufgelegt
ulld Requiranonen gemacht wurden. Den 30. May 1209 dritte franzö-
sische Invasion, der Schlosiberg wurde vom 13. bis2l. Iuny aufdashef-
tigste bombardirt und in den Vorstädten mn den herannahenden österrei-
chischen Corps unter Gyulay erbittert gefochten. Den 23. wurde die Fe-
stung übergeben und im November von den Franzosen ganzlich zerstört.
Den 4. Jan. 1810 Abzug der Franzosen. 1811 entstand das schöne va-
terland. Institut:'Ioannäum, (s. d.) durch Erzherzog Ioh ann, den
großen Freund und Gönner der Steyermark, gegründet. 1813 uner-
hörte Überschwemmung der Mur durch anhaltende Regengüsse, die gedeckte
Murbrucke stürzte ein. 18l6 Bildung desMusituereins; 1817 des Wohl-
tdatigkeit^ereins zur Unterstützung armer Unterthanen. Den 31. Aug.
1821 hatte die große Pulverexplosion in dem Spezereymagazine deö
g-afl. Breuner'schen Hauses iu der ^>temvfergasse Statt, die Gewalc
des Pulvers schlug die Mauern dieses und eines nebenstehenden Hauses
mit solcher Heftigkeit durch, daß sogleich die beyden Stockwerke über dem
Magazine einstürzten und 5 Menschen unter dem Schütte begraben wur-
den. 1823 in der Christnacht brannte das Theater und Redouteügebäude
g inz ab, wurde jedoch in den folgenden Jahren wieder schoner'hergestellt.
Den 27. Aug. 1824 war eine bedeutende Überschwemmung in O., eine
Ecke der Ursuliner-Bastey wurde von der wüthenden Mur hinwegge-
rissen. Den W. Apr. 1827 wurde das Lyceum zu G. neuerdings zur
Universität erhoben. 1827 im Iuny hatte neuerdings eine furchtbare
Überschwemmung Statt, wodurch die 30 Klafter lange, auf Pfeilern
von Quadersteinen ruhende Murbrücke großentheils weggerissen wurde.—
Topographie. G. ist nach Wien und Prag die blühendste und volk-
reichste Stadt in den österr. Erblanden. Es liegt unterm 47", 4^, 13"
der nördl. Breite und 33", 58', und 34" östlich. Länge sehr reizend an
beyden Ufern des rauschenden Bergstromes Mur. Nächst Salzburg
und Innsbruck dürfte O. unter den deutschen Städten des österr.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie