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Staates wohl die angenehmsten Umgebungen haben. Die Ebene, in deren
nördl. Theilen sich G. mit seinen Vorstädten ausbreitet, besteht aus auf-
geschwemmten Sandsteinen, die Hügel und Berge ringsumher aus Thon-
schiefer, Kalkgesteine und Sandsteinen, hinter diesem Hügel erheben sich
gegen Norden und Westen malerisch die höheren Gebirge von Obersteyer.uark
und Kärnthen. Die durch die Nähe schneebedeckter Gebirge selbst oft im
Sommer erzeugten kalten Winde und den dadurch herbeygeführten schnel-
len Wechsel der Temperatur abgerechnet, ist das Clima von G. höchst
angenehm und gemäßigt zu nennen, der mittlere Wärmegrad in G. ist
beyläufig 7", 5 Reaum., der Boden daselbst ist sehr fruchtbar, die Ve-
getation üppig. — G. besteht aus der eigentlichen oder innern Stadt am
östlichen Ufer der Mur und aus 3 Vorstädten. Die innere Stadt isi mcht
groß, ,ihre größte Länge vom eisernen bis zum Sackthor beträgt 520,
die größte Breite vom Mur- bis zumPaulusthor 420 Klafter. Einschlüßig
jedoch der Vorstädte und des zu G. gerechneten Dorfes G eisdorf, hat es
einen Umfang von mehr als IZdeutschc Meilen. G. zählt inAllem2,690
Häuser mit 41,500 Bewohnern, das Militär und die Fremden mit ge-
rechnet. Überhaupt hat O. in Allem 22 Kirchen und öffentliche Capellen,
worunter 10 Pfarrkirchen, 5 Mönchs- und 2 Nonnenklöster, 28 Glo-
ckenthürme und 10 Thurmuhren mit jener des Schloßberges. — In G.
befindet sich auch der Sitz des steyermärkischen Guberniums, des Kreis-
amtes für den G.er Kreis, und vieler die Centralverwaltung dieser Pro-
vinz leitenden politischen Eameral-, Justiz-und Militärbehörden, fer-
ner des Fürstbischofes von Seckau >rnt seinem Domcapitel, endlichhatG.
anch zahlreiche Bildungs-, Humanitärs- und Industrieanstalten: Die
Uüiversität, mehrere Lehr- und Erziehungs-, Wohlthätigkeits- und
Versorgungsinstitute, Fabriken und Manufakturen. Die Häuserzahl
der innern Stadt belauft sich nur auf 42? mit 30 Gasse» und Plä-
tze:,. Die Vorstadt Münzgraben mit Einschluß des Iacominiplatzcs
zahlt 480 Häuser, 21 Gassen und Plätze, die Leonhardervorstadt über
600 Häuser mit 17 Gassen und Plätzen, die Murrorstadt, die ansehn-
lichste von allen, sammt der dazu gehörigen Lend und dem Gries hat
bey 1,100 Häuser, 49 Gassen und Plätze. — Die Stadt ist von ei-
nem schönen, mit Kastanienbäumen besetzten Glacis umgeben; 6 Thore,
das Murthor, Neuthor, Eisenthor, B.urgthor, Paulusthor und Sack-
thor führen aus der Stadt in die Vorstädte, wovon ersteres durch die
oben erwähnte Enthauptung Andreas B a,u m k i rch e r's, welche un-
ter demselben Statt fand, besonders merkwürdig ist. Die innere Stadt
ist Nach altem Geschmacke gebaut, die Gassen sind meistens krumm und
unregelmäßig , der Boden uneben und d'ie Pflasterung läßt noch sehr viel
zu wünschen/ übrig , auch an unterirdischen Unrathscanälen »„angelt
es noch zum großen Nachtheile der Reinlichkeit. G. hat einige auschn-
liche und merkwürdige Gebäude, so z. B. die gothische Domkirche zu
St. Hgydi/das schöne Mausoleum Kaiser F erd in an d'sll., die ehe-
mahlige l'indesfürstliche Burg, jetzt die Wohnung des Gouverneurs mit
einem Thurme, in welchem mehrere antike Steine mit Inschriften einge-
mauert sind; das Universitätsgcbäude mit dein anstoßenden Convicte,
das Landhaus mit dem großen und schonen Rittersaals und den Vorrä-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie