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Griechen im österr. Raiserthume.
met, Er lau , Temeswar, Neusatz, Hermansiadt und Kron-
stadt, in welch' jeder dieser Stadt« sich eine griech. Kirche und Lehr-
ansialt befinden, erstere zwey sind die bedeutendsten. In Wien ist der
Hauptsitz sowohl des Handels als auch der Literatur derselben, obschon
die Zahl der daselbst wohnenden Individuen in neuerer Zeit bedei tend
abgenommen hat. Hier befinden sich auch 2 Kirchen für den griech. Ritus,
eine für die österr. Unterthanen, mit einer Lehranstalt, worin die Ju-
gend sowohl in der alt- und neugriech. als auch in der deutschen Sprache
unentgeldlichen Unterricht erhalt und einer ziemlich bandereichen Biblio-
thek, die zweyte'Kirche ist für die auswärtigen Unterthanen bestimmt, end-
lich ist auch noch die russische Gesandtschaftscapelle in Wien. Außerdem
befinden sich auch noch zu Agram und Czernowitz griech. Kirchen,
und endlich in einigen Städten Ungarns zerstreute Individuen. — Die neu-
griech. Literatur hat in den neuesten Zeiten einen ungemein bedeutenden
und schnellen Aufschwung genommen. Anfangs beschränkte sich dieselbe fasi
ausschließend auf Übersehungen, der Mehrheit nach wissenschaftliche Be-
lehrung bezweckend, doch bald dehnte sie sich auf andere Fächer des Wis-
sens aus und endlich erschienen auch Originaswerke über Theologie, Phi-
lologie und Geschichte', vorzüglich aber überPoesie. Viele literarisch ge-
bildete O. suchten, wenn auch fern von ihrem Vaterlande, aufdieBil-
dung ihrer Landsleute durch Herausgabe neugriech. Druckschriften einzu-
wirken. Wien, denselben näher als Leipzig und Par is, diente
auch, seiner trefflichen Hülfsquellen, besonders in der Hofbibliothek,
wegen, zur Vervollkommnung ihrer Kenntnisse. So entstanden zu-
vörderst in Wien viele Producte neugriech. Schriftsteller, die auch hier
bey den wohl eingerichteten Buchdruckereyen, ebenso wie in Venedig,
Triestu. a. O. der Presse übergeben wurden, und dann in ganzen Auf«
lagen nach Griechenland gingen, wo sie häusig aufgekauft oder unent-
geldlich vertheilt, in jedem Falle aber vielfach verbreitet wurden. Auf
dies> Weise bildete sich die sehr bedeutende Epoche der neugriech. Literatur
in Osterreich. Vorzügliches Verdienst um dieselbe erwarb sich der 1823 in
Wien verstorbene Gelehrte: Dem eter Nicol. Darvar (s. d.) durch
Herausgabe von zweckmäßigen Elementar- und Schulbüchern, welche be-
deutenden Einfluß auf die Bildung der griech. Jugend hatten und dessen
Werke in Griechenland sehr vortheilhaft bekannt sind. Er verordnete in
feinem Testamente, daß der Nachlaß der von ihm verfaßten und auf
seine Kosten gedruckten neugviech. Schulbücher, 17,250 Exempl. an der
Zahl, unentgeldlich an die Nationalschulender österr. Staaten nach dem
Verhältnisse der Echüleranzahl vertheilt werden sollten. Außerdem war
D. noch Verfasser mehrerer moralischer und wissenschaftlicher Werke. In
früherer Zeit gab es in Wien 3 griech. Buchdruckereyen, des Georg
V e n d „ t i , der Brüder Markides Poul iou und des Serbiers
Demeter Davidovich, welche jedoch sämmtlich eingegangen sind.
Außerdem aber gaben sich manche deutscheBuchdruckereyen mit demDru-
cke griech. Werke ab, so z. B. die von Kurzbeck, Baumeister,
Gerold, Pichler, iu neuerer Zeit Haykul, Zweck und zum
Theil auch Grund und Überreuter. 1811 unternahm der thätige
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie