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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Seite - 423 -
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G r i l I p a r z e r. 423 mehrere auf lönigl. Auftrag für die kathol. Gymnasien verfaßte lateini- sche Sckulbücher. Grillparzer, Franz, war geboren zu Wien den 15. Jan. 1791/ vollendete daselbst 1811 seine Studien, trat 1813 seine öf- fentliche Laufbahn an, und ward 1824 Hoftoncipist bey der k, l. allge- meinen Hofkammer. Nach dem Tode des k. k. Rathes und Archivdirec- lors dieser Hofstelle, I. G. Meg erle v. Mühlfeld, erhielt G. 1833 dessen Platz. 1816 erschien sein erstes dramatisches Werk: Die Ahnfrau, auf dem Theater an der Wien und erregte durch die Kraft der Schilde? rungen, so wje durch die echt poetische und musikalische Sprache allgemeinen Enthusiasmus. Dieses Stück, trotz allen unläugbaren Mängeln, ein echt geniales Product, wurde seitdem auf allen deutschen Bühnen mit großer Wirkung gegeben und in verschiedenen Auflagen (1832 die 5.) gele- sen. 1818 trat G. mit seiner „Sappho" auf, einem Werke, welches sich durch blühende Sprache und großartige Behandlung des einfach antiken Stoffes gleich vortheilhaft auszeichnet. Sappho ist eine Hauptrolle her berühmten Schröder. Auch dieses Drama wurde mit dem größten Bey- fall aufden ersten deutschen Bühnen aufgenommen (davon erschien die 3. Aufl. 1822). Eine Reise, welche G, 18 l 9 nach Italien unternahm, um seine schwankende Gesundheit wieder zu befestigen, hemmte zwar seine drama- tische Wirksamkeit eine Zeitlang, doch besitzen wir als Frucht derselben .mehrere seiner gelungensten lyrischen Gedichte im Taschenbuch Aglaja. Als besonders ausgezeichnet sind: der Abschied von Gastein ; der Bann; vorzüg- lich aber das wundecliebliche: Am Morgen nach einem Sturm, und das im Jahrgang 1820 abgedruckte Gedicht: Die Nuinen desCampo vaccmo zu nennen. 1622 erschien seine Trilogie: Das goldene Vließ, welche zwar weni- ger Bühnenwirkung/ als seine früheren Erzeugnisse bewies, dessen dritte Abtheilung: Medea/jedoch außer der vorzüglichen poetischen auch große tragi- sche Bedeutsamkeit besitzt. 1324 erschien zum^ ersten Mahl im Burgtheater das vaterländische Trauerspiel: Ottokar's Glück und Ende (gedruckt 1825), welchessich durch eigenthümliche Tüchtigkeit in Anlage und Ausführung auszeichnet, und von echc dramatischem Leben durchdrungen ist. Ganz Herr seines Stoffes zeigte sich G. in dem 18IN erschienenen, ebenfalls varerlandi-. schen Trauerspiele: Ein treuer Diener seines Herrn, welches besonders iyl dritten Acte die größte dramatische Wirkung hervorbringt. Sein 183 l er- schienenes Product: Des Meeres und der Liebe Wellen, die Geschichte Hero's und Leander's behandelnd, ist zwar ebenfalls von echt poetischem Geiste durchdrungen , erfreute sich jedoch nicbt gleichen dramatischen Ef- fectes. Sein neuestes Erzeugnis;: Der Traumen, Leben, ein, ob r^oar aus verschiedenen Elementen zusanimeugesetztes, jedoch sehr geistreich be- handeltes und wirkungsvolles Phantasiegemälde,, welches das geyeimnisi- volle Leben im Traume mir reicher psychologischer Kenntniß behandelt, wurde jedoch allenthalben auf das günstigste aufgenommen; obwohl es auch nicht an Stimmen dagegen fehlte. Außer den obengenannten Werken und mehreren, lyrischen Gedichten in verschiedenen Taschenbüchern und emiq.'u Zeitschriften kenne» wir nur noch „des Lebens Schattenbild," ein dra- matisches Fragment, erster Entwurf des letztgenannten Stückes, iu L e m- b e r t'H dramatischem Taschenbuche für 1821, dann die Oper Melusine, vo«
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe E-H, Band 2
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe E-H
Band
2
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
696
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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