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42t Grinzing. — Gripp^ lc.
Conradin Kreutzerin Musik gesetzt. Als Prosaist trat G. mit einer
einzige» Erzählung: Das Kloster bey Sendomir, im Taschenbuche Aglaja
1828 ohne sonderlichen Erfolg auf. Einen unvollendeten Aufsatz über
dramat. Kunst lieferte G. in Kal tenbaeck's österr. Zeitschrift.
Grinzing, niederösterr. Dorf im V. U. W. W., in der Umge-
bung von Wien am Fuße des Kahlenberges, mit vorzüglichem Wein?
bau und schöner Lage. Beachtung verdienen die veredelten Traubensorten
durch die Gorog'schen Reben, von beynahe allen europäischen Weinen.
O. hat artige Gebäude, welche von den Wienern den Sommer hindurch
bewohnt werden, und gehört zu den besuchtesten Parthien der Umgebun-
gen Wie «'s. Zur hiesigen Pfarrkirche ist auch das nahe Schloß auf dem
sogenannten Cobenzlberg eingepfarrt. Schon auf den Vorhügeln desKah-
lenberges sieht man zum Theii das Marchfeld und die Stadt Wien, gegen
die rechte Seite hin Mödl ing und die ganze halbrunde Ketie des
Kahlengebirges; welche Aussicht, noch reizender wird, wenn man den
Weg bergan zu dem sogenannten Krapfen waldchen einschlägt, ei-
nem allgemein bekannten Unterhaltungsorte der Wiener, wo ein gut
eingerichtetes Gasthaus sich besindet.
Grippe (Intluenxa) in Wien und den österr. Staaten. Kaum
war die Furcht vor der Otiules« moi-lius mit dem allmahligen Verschwinden
dieser verheerenden Seuche in der österr, Monarchie gewichen, als sich im
Frühjahre 1833 ein neues, zwar nicht in so hohem Grade gefährlich, doch
durch seine allgemeine Ausbreitung und wegen mehrerer Nebenumstande
sehr lastiges, und keineswegs gefahrloses Übel zeigte. Es war dieses die soge-
nannte Grippe, ein epidemisch-katarrhalisches Leiden/ welches man in
Europa zwar schon seit langer Zeic unter verschiedenen Nahnien z. B.
englisch: lne lale lnNuenxa, französ.: (Grippe, tulette, ital.: Nai-
2ucclii, span.: Oaceula^cu«, russisch: die chinesische Krankheit u. s. w.
tannce, welches jedoch, begünstigt durch den plötzlichen und schnell auf
einander folgenden Witterungswechsel zu Anfange des genannten Jah-
res, so bedeutend^intrat, daß es durch die große;Schnelligkeit, mit wel-
cher es von Norden nach Süden hinzog, so wie durch seine große Verbreitung
und schnellen Verlauf dieAufmertsamteitAller, besonders aberderNatur-
forscher und Arzte erregt?. Anfangs März 1833 brach diese Epidemie in
Wien und zwar mit solcher Heftigkeit aus, daß sie, was ohne Übertrei-
bung behauptet werden kann, 3 Viertheile der Einwohner dieser Stadt
in höherem oder minderem Grade an sich erfuhren undnuraußerst wenige
Häuser ganz davon verschont blieben. Doch war die Krankheit in den
meisten Fallen guiarcig zu nennen. Nur schwache Kinder oder sehr be-
jahrte und chronisch Kranke wurden meistens entweder das Opfer dersel-
ben, oder hatten mehr von den Folgen als von der Krankheit selbst zu
fürchten. Im geringsten Grade äußerte sich die G. nur durch Müdigkeit,
Schnupfen, Husten, tauben Kopfschmerz und Beklemmungen auf der
Brust; in heftigeren Fallen, besonders wo schon eine entzündliche Reizung
der Organe des Kopfes oder der Brust zugegen war, zeigten sich auch
bedenklichere Erscheinungen. So stellte sich z. B. oft auch ein starker,
der Gehirnentzündung sich nähernder Kopfschmerz mit Deliriren :c.
ein, auch kam die G. manchmahl vcrlarvt in Gestalt anderer Krant-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie