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Prag vottendec, auch mehrere botanisch« Reisen gemacht hatte, und
seine Flor> des Sndetengebirges in den Verhandlungen der k. k. böhm.
Gesellschaft der Wissenschaften erschien, reiste er, mit vielen Empfehlungs-
schreiben versehe», nach Wien, wo er bey Ignaz von Born und dem
Freyh. von Iacq u in die beste Aufnahme fand. Botanische Wanderun-
gen in den Umgebungen Wien's, nachSteyermark, Karnthen, Kram,
Tyrol, Salzburg :c. lieferten die schönsten Zeugnisse von seinen Kennt-
nissen, und machten ihn fähig den vom Könige von Spanien erhaltenen
Antrag, die Scelle eines Botanikers und Naturforschers auf dem unter
Malasyina's Anführung ausgerüsteten Schiffe, welches zu einer
Reise um die Welt bestimmt war, anzunehmen. Iacquin hatte ihn
zu dieser Stelle empfohlen, und der thatige Naturforscher, der bisher
in Wien bey der Familie Oandolf i in sehr beschränkten Umständen
gelebt, sah auf einmahl seine Wünsche erfüllt, denn diese Stelle sicherte
ihm einen Iahrgehalt von 3U0U fi. — Den 26. Iuly 1789 reiste H.
nach Madrid ab, wo er auf das beste aufgenommen, dem Könige
vorgestellt, und von den Ministern de» spanischen Hofes alle Beweise
der Theilnahme erhielt. Da jedoch M alaspina's Schiff bereits abge-
segelt war, so musite er sich auf dem nach dem Rio de la Plata bestimm-
ten Schiffe „Unsre liebe Frau von der glücklichen Reise"
begeben, mit welchem er am 25. Nov. desselben Jahres zwar glücklich
an der Küste Amerika's anlangte, aber kurz vorder Landung durch einen
heftigen Sturm Schiffbruch litt. Er rettete nichts als seinen Linne,
seine Passe, Vollmachten und Empfehlungsschreiben, mit welchen er
sich nach Montevideo begab, da aber auch das Schiff Malaspi-
na's von diesem Orte abgegangen w.'r, sah sich H. genöthigt,
nachdem er eine dveymonathliche Krankheit überstanden hatte, über
Buenos-Ayres zu Lande nach Chili zu reisen, eine der beschwer«
lichsten Reisen über ein machtiges Gebirge, die er jedoch glücklich been-
digte, und den 2. April 1790 das Schiff Ma laspin a's in dem Hafen
von Valparaiso antraf. — Auf diesem Schiffe, die Entdeckung
genannt, vollbrachte H. seine Reise an der westlichen Küste von Amerika
bis gegen das Eismeer, und sammelte bey den vielen Landungen an den
verschiedenen Küstm dieses ausgedehnten Landes, und auf den Inseln des
stillen Meeres sehr viele bisher unbekannt gebliebene Pflanzen. Er bestieg
auch die höchsten Spitzen des Anden - Gebirges, selbst den Chimborasso
und Pichincha, bey welcher Gelegenheit er auch Mexico besuchte. Nach
der 1794 vollendeten Seereise, durchwanderte er das südliche Amerika,
und 1795 schlug er endlich seinen Wohnsitz in Cochabamba (gegenwärtig
zu dem von B o liv ar gestifteten Staate Bolivia gehörig) auf, da er
wenig Aussicht hatte, um diese Zeit nach seinem Vaterlande zurückzu-
kehren. Er beschäftigte sich mit Physik, Botanik, Chemie, Geognosie,
Ethnographie, Mathematik, Musik, Medicin, ja sogar iu freyen
Stunden mit dem Unterrichte des Volkes in der christlichen Religion,
und verfaßte mehrere volksthümlic'e Werke über die Bereitung des Sal-
peters, der Schwefelsäure und des Schießpulvers.—> Theils auf Befehl
der Negierung, theils ans eigenem Antriebe, besuchte H. von seinem
Wohnsitze aus mehrere der entferntem Gegenden, und wurde besonders
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie