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H a f n c r. 473
mern, der Geschmack an den extemporirten Komödien wurde durch all-
mählige Einführung guter regelmäßiger Stücke bestritten und Graf D u r-
razzo, damahliger Pächter des Hoftheaters in Wien, ließ, obschon
Italiener, kein Mittel unversucht, die vaterländische Bühne emporzu-
bringen, den Geschmack zu reinigen, und unterstützte zu diesem Ende ta-
lentvolle Dichter gerne. H. legte nun sein Amt nieder, und widmete sich
ganz den dramatischen Arbeiten; er war klug genug, anfangs die An-
hänger der extemporirten Komödie, so weit es thunlich war, zu schonen,
in seinen ersten Stücken z. B. kommen mehrere Stellen vor, die dem Vor-
trage des Schauspielers überlassen waren; so konnte es denn auch bey der
Armuth der damahligen deutschen Bühne nicht fehlen, daß seine Erzeug-
nisse mit einstimmigem Beyfall aufgenommen wurden. Einige derselben
besitzen auch wirklich solche unzerstörbare komische Kraft, daß sie, ob-
schon in Form und Geschmack einem vorübergegangenen Zeitalter ange-
hörig, und trotz mangelhafter Bearbeitung noch heut zu Tage gefallen. —
H. war nicht nur als Lustspieldichter, sondern auch als Gesellschafter,sei-
ner feinen witzigen Einfälle und natürlichen Lustigkeit wegen, sehr beliebt,
ergab sich jedoch, da er deßwegen immer zu lustigen Gelagen gezogen
wurde, dem Trunke und zog sich dadurch früh eine Schwindsucht zu,
die seinem Leben bereits 1764, als er kaum das 33. Jahr erreicht hatte,
eiu Ende machte. H.'s heitere Laune verließ ihn auch in der letzten
Stunde nicht, erstarb mit einem Scherz, über den Nahmen seines Arz-
tes Matthes, im Munde. Hätte H. gute Muster gekannt und viel-
leicht nur um zwanzig Jahre langer gelebt, so ist kein Zweifel, daß er
beydem Reichthum seiner Phantasie, seiner Originalität, großen v»5
cnmica und Productivität würde Tüchtiges geleistet haben, das Verdienst
bleibt ihm jedoch unbenommen, Gründer des österreichischen regelmäßigen
Locallustspieles gewesen zu seyn, so wie es bey seinen wahrhaft genialen
Leistungen nur zu beklagen ist, daß deren viele und große Mängel nicht zu
beseitigen sind, ohne zugleich ihre Schönheiten und komische Wirkung zu
zerstören. Seine früher zerstreuten Schriften wurden durch I os. So n n»
leithner gesammelt, und mit einer Vorrede und Anmerkungen, vor»
züglich über die österreichische Mundart (welche jedoch nicht immer ge-
lungen und an der rechten Stelle seyn möchten), 1812 in 3 Bdn. in
Wien herausgegeben. Sie bestehen aus: Pudelnärrische Hanswursten-
träume, welche H. für seinen Freund, den berühmten Hanswurst
Prehauser verfaßte, der sie als Epiloge vorzutragen pflegte. — Der
alte Odoardo und der lächerliche Hanswurst, eine sehr gelungene Paro«
die auf die extemporirten Komödien. — Die reisenden Komödianten, oder
der gescheide und dämische Impresario, ein von, freylich trivialem,
Witz und Humor strotzendes Vorspiel zu seinem, durch Perinet's Be-
arbeitung bekannten Lustspiel: Die Schwestern von Prag. — Megära, die
fürchterliche Here :c. in 2 Abtheilungen, ein Zauberspiel mit allen Absur-
ditäten dieser Gattung Schauspiele. — Der Furchtsame, Lustspiel in
3 Aufzügen; durch Perinet's Bearbeitung und W. Müller's Mu-
sik als: Neusonntagskind, allgemein bekannt. — Die dramatische Unter-
haltung unter guten Freunden, ein Stück in einem Acte, welches ein
ande-res Lustspiel: Der Hausregent (ebenfalls durch Perinet's Bear«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie