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Hauptverdiensie lvar die Entdeckung des literarischen Betruges des Ab-
bate Ios. Vel la , welcher mehrere der verloren gegangenen Bücher
des Livius in arabischer Sprache, nebst einer arabischen Handschrift
voll der wichtigsten Urkunden aus der Zeit des Königs Roger, nebst
dessen Siegelring gefunden zu haben vorgab und damit großes Aufsehen
machte, so, daß bereits zum Drucke derselben geschritten worden war,
alsH., obschon selbst des Arabischen wenig kundig, entdeckte, daß in
Vella's Livius gewisse Eigennahmen Zanz cmders geschrieben seyen,
als die Araber sie schrieben; man untersuchte jetzt die Handschriften ge-
nauer und der Betrug wurde entdeckt.
Hahn, Franz Ios. v>, Bischof von Arad in Arabien, Weih-
bischof und Generalvicar zu Bamberg, war am 13. Iuly 1699 zu
Würzburg geboren, wo sein Vater fürsibischöfl. Rath und Lehen-
propst gewesen ist. Nach erlangter akademischer Würde aus der Rechts-
wissenschaft widmete er sich noch besonders dem Studium der Geschichte
und Alterthümer und begab sich dann zu gelehrten Zwecken nach Öster-
reich, wo er längere Zeit lebte. Er kam mit einem Empfehlungsschrei'
ben des berühmten Geschichtsforschers Schaun a t in die österr. Abtey
Melk, deren Archiv und Bibliothek der Aufsicht des gleich berühmten
Hieron. Pez (s. d.) anvertraut war und unter dessen Leitung H. seine
Kenntnisse ungemein erweiterte. Von hier begab er sich nach der Abtey
Göttweih, wohin er durch Pez dem aus Franken gebürtigen Abte
Gottfr ied Bessel (s. d.) empfohlen war. Während dieser seinen
Landsmann durch Belehrung kräftig unterstützte und zur Vollendung des
(^nronicon (^oNvicense benutzte, lernte ihn auch der Reichsvicekanz-
ler und Coadjutor von Bamberg, Friedr. Carl Graf von Schon»
born, daselbst kennen. Dieser ernannte ihn zu seinem geheimen Secre-
tar, ließ ihn mit sich zum Priesterstande 1728 befördern, verlieh ihm,
nachdem er selbst Fürstbischof von Bamberg und Würzburg gewor-
den war, 2 Stiftspfründen in beyden Städten, und erhob ihn zuseinem
geheimen Rath und Referendar. Als solcher hatte er fast täglich Gc^aen-
heit, seine Kenntnisse in Reichs- und Staatsangelegenheiten, in^ der
alten und mittleren Geschichte Deutschlands sehr zu erweitern; er wurde
des Fürsten vertrauter Freund, Rathgeber und steter Begleiter, und
hatte einen großen Einfluß auf die Reichsangelegenheiten/ besondersam
Reichstage. Nach dem Tode des Bambergischen Weihbischofs, Werner
Schnaz, erhielt er 1734 dessen Stelle und 1739 wählten die Stifts-
herren bey S t. Gangolph zu Banrberg ihn auch zu ihrem Dechant.
In diesem vielfachen Wirkungskreise wurde es ihm möglich, die aufPhi-
losophie, Theologie und Kirchenrecht beschränkte Universität daselbst mit
juridischen, medicinischen und chirurgischen Lehrstühlen zu versehen und
ihr eine der Zeit angemessene Sphäre zu verschaffen. Er stand im
Briefwechsel mit den größten Gelehrten seiner Zeit, durch deren Mit-
wirkung seine Bücher-, Gemälde-, Münz- und Naturalien-Samm-
lung sehr bereichert wurde. Er starb zuBamberg den 14.Iuly 1747,
und hinterließ viele Kostbarkeiten; seine Bibliothek haben die Brüder
Veit zu Augsburg erst 1756 gekauft.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie