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492 Handel und Hande lspo l i t i k .
siud in diesen Meeren wegen ihrerzErfahrung und genauern Kenntniß der
Küsten und Gewässer, wegen ihres billigen Frachtlohnes und sorgfältiger
Bewahrung der ihnen anvertrauten Güter sehr gesucht; da sie das ganze
Jahr auf der See sind, so machen sie im Verhältniß zu ihrer An-
zahl sehr häusige Fahrten und ihr Frachthandel in jenen Meeren, mit
Ausnahme der mittelländischen See, ist allein bedeutender, als der aller
Nationen zusammen. Die Entwicklung der österr. Handelsmarine wird
sehr durch die natürlichen 'Anlagen, welche der Staat zum Schiffbaue hat,
befördert. Alle hierzu nöthigen Materialien liefert das Land, und sie
sind an der Küste oder nicht weit davon anzutreffen; die schönen hoch-
siäm.nigen Eichenwaldunge» Ungarns und Istriens geben das Holz, die
innerösterr. Bergwerke Eisen und Kupfer, Ungarn Hanf, Venedig Tau-
werk und Segelleimvand. Hierzu kommt noch die Vorliebe und die Taug-
lichkeit der Kilstenbewohner für das Seeleben. Der Dalmatiner ist ein küh-
ner und ausdauernderMatröse; Triest, Fiume und die beyden Lussine
bilden geschickte Capitane. AlsBeförderungsmittel des auswärtigen, ins-
besondere des Seehandels, dienen die Handelsverträge, welche Österreich
mit verschiedenen Staaten abgeschlossen hat, und die zahlreichen See-
Assecuranzkammern iu den einheimischen Seeplätzen. Hinsichtlich derBe-
schaffenheit des auswärtigen Verkehres im Allgemeinen wird nur noch be-
merkt, daß Osterreich großentheils einen Passivhandel in dem Sinne
treibt, als sein vom Auslande zu beziehender Bedarf an Waaren für
Rechnung fremder Kaufleute auf seiue Handelsplätze gebracht, undseine
zur Ausfuhr bestimmten eigenen Producte eben daselbst von den Fremden
abgeholt werden; es ist unnöthig hinzuzufügen, daß, den größten
Staatswiriyschaftsleyrern zufolge, diese Art des H. überhaupt, be-
sonders aber in Landern, wo die eigenen Capitale noch im Innern
eine entsprechende Anwendung finden, dem entgegengesetzten, häusigeren
Wechselfällen und Verlusten ausgesetzten Activhandel vorzuziehen sey.
Ein anderer wichtiger Vortheil entspringt für den äußern Handel und
die innere Consumtion Österreichs aus dem Umstände, daß der Staat
keine Colonien hat; er ist sonach ihrer kostspieligen Erhaltung und der
Einführung des der Nation stets so nachtheiligen Monopolsystems zu
ihren Gunsten überhoben, und kann seinen Bedarf an Colonialwaaren
unmittelbar, und mit dem geringsten Anfwande aus jenen Ländern be-
ziehen, wo sie zur Zeit am besten und wohlfeilsten erzeugt werden. -^
Die Betrachtung der Handelspol i t ik der Negierung leitet zu der
Bemerkung hin, wie wichtig der Einfluß sey, welchen die Leirung der
Staatsverwaltung auf den industriellen Zustand eines Staates nimmt,
und wie gedeihlich derselbe durch die Übereinstimmung der Verfügungen
mit den wechselnden Bedürfnissen der Zcir werden könne. Die Geschichte
der österr. Gewerbsgesetzgebung folgt genau den Schwankungen und
Fortschritten, welche die Staatswitthschattslchre seil dem Beginne des
vorigen Jahrhunderts gemacht hat. Dem zuerst von den gesammcen
erschien vor allem der
äußere, H., wodurch allein Geld ins Land kommt, lockend, der Be-
günstigung desselben folgte die Vorsorge für den innern Verkehr. Nun
winde den Gegenständen des Verkehrs, und den producirenden Beschäftigun-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie