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512 Har tberg . — Har tenke i l .
sten feindlichen Invasion übernahm der hochsinnige patriotische Arzt das
Spital der österr. Gefangenen, und behandelte seine Landsleute mit sol.
cher Liebe und Sorgfalt, daß es sogar den Feinden Bewunderung ab-
nöthigte; als Napoleon von seinem Leibarzte Corvisart hier-
von in Kenntniß gesetzt, den Wunsch äußerte, den seltenen Mann ken-
nen zu lernen, da wußte er sich bescheiden zurückzuziehen, durch dasHoch-
gefühl beseligt, seinem Kaiser und Vaterland gedient zu haben. 1814
übernahm er das Spital der Elisabethinerinnen auf der Landstraße, wo
er nicht nur diegewöhnlichen Krankenbesuche machte, sondern nöthigenfalls
dieselben auch 3—4 Mahl des Tages, ja selbst in der Nacht wiederholte.
— Aber auch in der gelehrten Welt schritt er zeitgemäß vorwärts: in
den englischen (seinen Lieblingen), den deutschen, französischen und ita-
lienischen Classikern war er außerordentlich bewandert. Das Mcmoire,
das er dem Wiener Congrefse um eine Quarantaine gegen die moraenlän-
dischePest auszuwirken überreichte, zeugt von seiner seltenen Menschenlie-
be. In die Fundgruben des Orients lieferte er tressliche Aufsätze. Auch über,
setzte er Good's Werk: Über Krankheiten der Gefängnisse aus dem Enq-
Mchen und gab es (Wien l798) heraus. Sein Ruf, durch diese Arbeiten,
womöglich, noch erhöht, öffnete ihm den ehrenvollen Kreis mehrerer
gelehrter Gesellschaften. — Eine kurze Zeit vor seinem Tode er-
theilte ihm der Erzherzog Anton, als Großmeister des deutschen Ordens,
zum Beweise der vollkommenen Anerkennung seines edlen Strebens, die
Erlaubniß, mit seinem Vermögen frey, ohne Rücksicht auf den Orden,
disponiren zu können; und der große Menschenfreund blieb auch im
Tode sich gleich! „lies <?5t gaci-a niiser," war sein Wahlspruch, nach
welchem er sein ganzes Leben richtete, diesem blieb er auch treu im letz-
ten Augenblicke, indem er sein ganzes, sehr beträchtliches Vermögen den
Armenanstalten Wien's vermachte. — Dieser seltene Arzt und Men-
schenfreund starb den 19- Oct. 1829. H. hinterließ eine der bedeutend-
sten arzneywisscnschaftlichen Bibliotheken. Auf seinen Reisen hatte er eine
überaus reiche Sammlung Carricaturen, vorzüglich englischer angelegt,
die er späterhin seinemBruder Ioh. Nep. Ernst abtrat.
Hartberg, sieyermärk. Städtchen im Gräber Kreise, nahe an der
ungar. Gränze in einer fruchtbaren Gegend am Hartberger Lafnihbache,
mit 1,35NEinw., welche Tuchweberey betreiben. Der Thurm an der
hiesigen Haupttirche ist der schönste in Steyermark, und gewahrt so wie
der nördlich von der Stadt gelegene Hartberger' Kogel eine sehr interes«
sante Aussicht bis nach Ungarn. — In der Umgegend sind Salpetersiede-
reyen.
Hartenkeil, Ioh . Iac. , l. k. Regierungsrath, wa>- den 28.
Jan. 1761 zu Mainz geboren. Seine gründliche wissenschaftliche Aus-
bildung verdankte er dem Orden der Jesuiten. — Die Arzneykinide zu
Nudiren begab er sich nach Würzburg, I Jahre daraufging er nach
Straßburg, und blieb dasell-st bis 1782. Er bcgab sicisdann wieder
nach Würz bürg, nachdem ihn Sieb old dem damahligen Erzbiscbof
von Salzburg empfohlen hatte, der gerade einen talentvollen jxnaen
Mann suchte, welchen er nach Paris und London zur gänzlichen Aus-
bildung auf eigene Kosten schicken, dann aber zu seinem Leibchirurgen
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie