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Hartig, die Grafen. 5l5
ftllschaft der Wissenschaften, Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften
und gemeinnütziger Vereine, war geboren zu Prag deu29. Aug. 1758,
trat schon im 19. Jahre mit allen Kenntnissen, die dem gesellschaftlichen
Leben aufmunternden Reiz verschaffen, in die Welt. Als sein Vater,
Franz Adam Graf v. H., churböhmischer Reichstags-Gesandter wurde,
war Regeusburg der Ort seiner Erziehung. Von dort aus unternahm
er eme Reise durch Deutschland, Frankreich, England, Italien und
die Schweiz, um sich vollends zu einem tüchtigen Staatsmann auszu-
bilden. Selbst die große Maria Theresia interessirte sich in der Art
um den jungen Reisenden, daß sie ihm befahl, er solle ihr von jedem
Orte seine politischen Bemerkungen mumttelbar zuschicken. Obschon H.
mit den besten Schriften über Staatsverfassung bekannt war, so liesi er
sich doch die Werke eines Baco, die Neßnciatinns des Präsidenten
Ieanini , die Hleinuirez des Su l l y , und alles, was Colbert
Nützliches für seinen Staat geleistet hat, besonders angelegen seyn.
Seine I^ettres 8ur Ia Trance, I'^ngleterrs et l'Italie, Genf 1785,
gaben eine Übersicht dessen, was der Reiz der schonen Natur, und der
vollendete Geschmack der Kunst seinem Auge darboth, und was sein schar-
fer Blick aus den Sitten, aus der Thätigkeit und^dem Wohlstande der
Menschen auffaßte. Mailand war der Punct,''wo sich H. am läng-
sten aufhielt, und durch volle 6 Monath? den Umgang mit einem der
geschätztesten Staatsmänner, dem kaiserlichen Generalgouverneur, Gra-
fen von Firmia n, nützte. Nachdem hierauf H. 2 Jahre in dem Justiz»
collegium zu Würz b urg als Hofrath zugebracht hatte, wurde er als
Rath'zu dem damahligen größere» Landrechte nach Prag berufen und
zu den Gubernialcommissionen beygezogen. — Nicht lange mit Eleo-
noren Gräfinn von Colloredo verehelicht, brachte ihn plötzlich em
heftiger Blutsturz in Todesgefahr. Als er genesen, legte er seine Stelle
nieder, und begab sich zur Befestigung seiner Gesundheit nach Spaa,
und von dort zum zweyten Mahle nach Par is, wo er sich ganz der
französischen Literatur und Poesie hingab. Seine Epistel über die Reise-
lust wurde von der Akademie zu Marseille gekrönt. Er genoß den Um-
gang der ersten Dichter Frankreichs, eines Vol ta i re, Dorat , Cu-
viers, Flor ian, u. s. w. Überzeugt, daß Cultur von jeher das
Wohl der Menschen befestige, entschloß er sich, eine Sammlung von
historischen Betrachtungen über Aufnahme und Verfall der Feldwirth-
schaft 1786 herauszugeben; sohin auch andere Fächer der Wissen-
schaften zu bearbeiten. Diesem Werke folgte bald eine Abhandlung über
die Beschaffenheit der Luft in höhern Regionen. 1787 schickte ihn Jo-
seph I I . als Gesandter an den sächsischen Hof. — Ein wiederholter
Blutsturz nöthigte ihn 1794 seine Entlassung anzusuchen. Politischen
Geschäften enthoben, welchen er sich mit großer Anstrengung gewidmet
hatte, mußte ihm die Herstellung seiner Gesundheit zuvörderst am Her-
zen liegen. Er wandte sich nach Pyrmont, um" in dieser heilsamen
Quelle Erholung zu schöpfen.''Seinem dortigen Aufenthalte verdankt
die lönigl. böhm. Gesellschaft derWissenschaften inPrag dieAbhandlung
über die merkwürdigsten Gegenstände zu Pyrmont, in Hinsicht der
Quellen und der umliegenden Gegend. Er wurde jedoch nicht besser und
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie