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Heinrich r». Ofterdl ngen. — Heintl.
Heinrich v. Ofterdingen, f. Vfterdingen.
Hcintl, Franz Ritter v. (vorher Hof-und Gerichtsadvocar in
Wie»), Doctor der Rechte, Mitglied und emeritirter Decan der juri-
dischen Facultät an der k. k. Universität zu Wien, .1. ö. stand. Aus-
schusiralh, Landstand iu Österreich und Steyermark, Ritter des groß-
herzogt, badenschen Ordens vom Zahringer-Löwen, wirkendes Mit-
glied der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Wien, wirkl., correspond.
und Ehrenmitglied mehrcrer ökonomischer und gelehnter Gesellschaften
in Europa und Nordamerika, Güterbesitzer in Niederösierreich und Mäh-
ren, ist geboren den 30. Oct. 1769 zu Altstadt in Mähren von we-
nig bemittelten Ältern. 1781 begann er seine Studien zu Olmütz,
wobey er sich seinen Lebensunterhalt durch Privat - Unterricht erwarb.
1789 ging er nach Wien, um sich auf der dasigen Universität den Stu-
dien der Rechte zu widmen. Durch Unterstützung des Freyherrn Gott-
fr ied van Swieten und durch eigene Sparsamkeit begünstigt, un-
ternahm H. 1791 eine Fußreise nach L eipzig, wohnte daselbst einigen
Collegien bey, und erhielt nach seiner Rückkehr die Evzieherstelle bey
dcm jungen Grafen Joseph v. Dietrich stein nach sorgfältiger
Prüfung sowohl seiner Kenntnisse, als auch seiner politischen Gesinnun»
gen, welche die damahls gerade beginnende franzos. Revolution vorzüg-
lich nothwendig machte. Nun vollendete er in kurzer Zeit alle Prüfun-
gen des juridischen Lehrcurfes mir Vorzugsclassen, und wurde 1793 so»
wohl zum Doclor der Rechte promovirt, als auch zum Hof- und Ge«
richlsadvocaten ernannt. Er gewann bald durch gründliche Geschäfts-
kenntnist, rastlosen Eifer und unbestechliche Rechtlichkeit das Zutrauen
des Piidlicums sowohl, als auch jenes der Gerichtssiellen, und es ent-
stand ein Andrang von Clienten, die seinen Rechtsbeystand suchten. Um
wichtige Streitsachen auszugleichen, wurde er auch ins Ausland, nach
Deutschland, in dieSchweiz, nach Frankreich, Sachsen und nachB er»
lin gesandt. Mehrere andere Geschäftsreise,! wies er zurück, weil er in
Wien sehr beschäftigt war. 1801 machte H. eine solche Reise nach
Schwaben, der Schweiz und Frankreich, und zwar vor dem Abschlüsse
des Lüneviller Friedens mitten durch das feindliche Heer, und entledigte
sich seines Auftrages auf das glücklichste. Schon bey mehreren Gelegen«
heiten hatten sich H.'s ökonomische und naturhrstorische Kenntnisse, so-
wohl für seinen eigenen Wohlstand, als auch für das gemeine Wohl
fruchtbringend gezeigt, so kam z. B. 1806 durch seine Bemühungen die
Errichtung der Wienert, k. Landwirthschafts-Gesellschaft zu Stande, deren
Statuten er verfaßt U»d sich um die ersten Mitglieder beworben hatte.
Schon 1802 hatte er die Herrschaften Nexing und Raspach in Nieder«
osterreich erkauft, und deren verödeten Zustand in knrzerZeit durch kluge
Mittel und Wege in einen blühenden verwandelt. 1808 wurde H. zum
Lohne seiner mannigfachen gemeinnül-igen Bestrebungen und patrioti-
schen Leistungen in den erbländischcn Ritterstand erhoben, so wie
1809 von den Landständen Nieoerösierreichs als Landstand aufgenom^
men. 1813 erkaufte er die Herrschaft Wiernitz in Niederösterreich, ,U»d
soäter 1325 noch die große Herrschaft Alt-Brunn in Mähren , mit
weicher mehrere Güter unter einer Verwaltung vereinigt sind. 1620 — 21
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie