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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Seite - 555 -
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Herberstein, Siegmund Freyh. von. 555 ganze Christenheit des holden Friedens sich erfreue. — Obwohl die Ge- sandtschaft ihren Zweck nicht erreichte, weil die Polen die feindseligen Neckereyen nicht endigten, so genoß H. doch alle Auszeichnung, nahm Theil an den Stadt- und Landfreuden des Hofes, an den feyerlichen Tafeln, bey festlichen Aufzügen und andern Gelegenheiten erwarb er sich durch seine Wohlredenheit und anmuthige Würde so die Liebe desCzars, daß er ihm immer freundlich dieHand zu drücken pflegte, und bey seiner Abreise ihm reiche Geldgeschenke und eine Begleitung von209 Pferden mitgab. Der Cardinal von Salzburg, Matthäus Lang (ein Hochberühmterund erfahrner Kirchenfürst), hatte H. den Auftrag gegeben, über Rußland, so viel er könnte, zu erforschen, er bath nun um Erlaubniß gegenwärtig zu seyn, wenn der alternde, phantasiereiche Kaiser Maximi l ian des Abends über die gewohnliche Zeit, bis der Schlaf mit Gewalt kam, von den Wundern des schauerlichen Nordens, wo man bloß Eis, Nacht und Grausamkeit vermuthete, sich erzählen ließ. Die letzte Reise, welche H. für diesen Kaiser unternahm, war nach Ungarn, durch höchst dornenvolle Unterhandlungen des ErzHauses Rechte zu wahren gegen die Ränke Zapolya's; denn schon am 16. Jan. 1519 half er mit bekümmertem Herzen den Leichnam des frommen Kai- sers, der auch ihm ein Vater gewesen, auf seinen Achseln in die Kirche tragen. Gegen die Regentschaft, welche der sterbende Maximi l ian in seinen Ländern bis zur Ankunft seiner Enkel niedergesetzt hatte, wogte viel Ungehorsam und Empörung auf, und vornehmlich der treue H. war ein Grauet in den Augen der Neuerer. Der Zwiespalt zeigte sich selbst in der Gesandtschaft, welche mit den Beschlüssen und Bitten des Landtags in Bru ck an d er M u r (auf ihrer Reise vielfach geehrt von dem Do- gen, Leonard Loredano, von Papst Leo X. und andern Für- sten Italiens, viel versucht durch Seeräuber, Feuer, und die wilden Äquinoctial-Stürme des Mittelmeeres auf wüste Felsen geschleudert, und hochbedroht von den habsüchtigen Einwohnern In iz a's), nachSpanien eilte, von dem jungen Könige, Car l , der eben die feyerliche Nachricht von der Wahl zum Kaiserthrone erhielt, nicht zum günstigsten aufgenom- men, wegen des herrschsüchtigen Unverstandes eines der Abgesandten, bis H. den mächtigen Monarchen durch seine Klugheit versöhnte. Als Redner für die Landschaft Steyermark sprach er mild besänftigend zu dem Erzherzog Ferdinand, und erwarb ihr von Carl in Brüssel die Bestätigung mehrerer Freyheiten. Hier war es auch, wo dieser Kai- serH.'sWapen bereicherte, jenes von Castilien und Osterreich dem seinigen einzureihen, und die Bildnisse des röm. Kaisers, des Königs von Spanien Und des Czars unter die Helmverzierungen zu setzen erlaubte: „Alles," wie H. in seinen Schriften sagt, „zur Anreizungseiner Nachkommen, sich jenen Diensten zu ergeben, woher Adel und Erhöh ung,der Geschlechter komme, und nicht zu Hause den Wollüsten obzuliegen." Sonst wurde er noch verwendet zu Sendungen nach Worms, da Luther vor die Schranken des hohen Reichstagestrat, nachdem, durch den Bauernkrieg, durch den wilden Her- zog Ulr ich von Würtemberg und durch dessen Ächtung erschütterten Schwaben, nach den Niederlanden, Böhmen und Ungarn; er vermählte sich mitHelenen vonSaurau, und vertauschte dasMäh renfels sei-
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe E-H, Band 2
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe E-H
Band
2
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
696
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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