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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Seite - 556 -
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556 Herberstein, Siegmund Freyh. von. ner Familie dem Landesfürsten gegen Neidberg, Samenka und Par t in . 1526 machte H. seine denkwürdige Reise nach Polen und Rußland, begleitet von seinen Neffen Ruprecht und Günther, den Söhnen seines Bruders Georg , von denen dieser l529 bey der Bela- gerung W i e n's sich auszeichnete, jener in den ungarischen Feldzügen un- ter dem Oheim Katzianer wacker focht. Der Zweck war wieder Frieden zu stiften zwischen Polen und Russen; allein der Polenkönig war so mißtrauisch, daß selbst H.'s beredte Offenheit ihm nicht alle Zweifel be- nehmen konnte. Doch kam es dahin, daß der Czar das goldene Cruzifir küssend, einen fünfjährigen Anstand beschwor. Der Beschreibung feines Lebens, nahmentlich dieser beyden Reisen verdankt es H., daß Russen, Polen, Ungarn, ihn unter die Quellenschriftsteller ihrer Nation zahlen.— Die verachtete windische Sprache war das Mittel, Wieder- entdecker Rußlands für den Westen Europa's zu werden, indem H. Nachrichten aus russischen Chroniken und dem Munde der Gleichzei- tigen über des Landes Geschichte und Alterthümer, seine Erzeugnisse und Religion, Verfassung und Regierungsform, Kriegswesen und Handel des Volkes, häusliches Leben und Vergnügen sammelte, und in lateinischer Sprache classisch darstellte. Auf der Rückreise" erfuhr er die Niederlage und den Tod König Ludwig's in der Mohaczer Schlacht. Ohne Auftrag, aber entschlossen, und nicht achtend seine im stren- gen Winter eben erfrornen Glieder eilte er nach Krakau zum Polenlo» nig, das Wohl Ferdin and's, des neuen Königs von Ungarn und Böhmen, zu wahren, und den polnischen Hof abzuziehen von den Be- günstigungen, die er dem Hause Zapolya gerne zuwandte. Es glückte und freudig zog er zurück zum König Ferdinand nach Prag , zeigte und erklärte einer czarischen Gesandtschaft dieser Stadt Größe und alter- graue Herrlichkeit, daß sie erstaunt ausrief: Dieß ist nicht ein Schloß, dieß ist nicht eine Stadt; das ist ein Königreich, und es ist etwas Gro- ßes, ein solches Königreich ohne Blutvergießen zu erhalten." Es wür- de hier zu weit führen, die Menge arbeitvoller und oft vergeblicher Bothschaften herzuzählen, welche durch die Eindringung Johann's von Z a p o l y a in die Reihe ungarischer Könige, nach Ungarn und dem ihm verwandten Polen (welches ihn begünstigte, „weil man die Reiche selten mit Gerechtigkeit überkäme, aber gemeiniglich mit dem Schwerte") von 1527— 40 nothwendig wurden, und die H. unermü- det und unermüdlich, zuweilen selbst an seinem Leben hinterlistig bedroht, verrichtete. 1537 wurden er und seine Verwandten zur gerechten Aner- kennung ihrer Verdienste mit der Freyherrenwürde begnadigt. An den Verhandlungen des KadanerVergleichs, wodurch derHerzog Ulrich sein verwirktes Herzogthum Würtemberg von Osterreich zurückerhielt, nahm H. auch lebhaften Antheil. Die großen Türkengefahren lenkten seine Ta- lente auf einen andern Schauplatz. Der unglückliche Donauübergang bey Ofen (1541) ganz gleich einer Verlornen Schlacht, wonach Sol i - man Niederungarn sich zueignete, und die Kirchen Ofensauf 146 Jahre in Moscheen verwandelte, forderte eine Gesandtschaft zu diesem Weltbezwinger, welches dornenvolle Geschäft H. klug ausführte. Und ne- ben'jenem'allgemeinen Unglücke drückte sein Herz noch ein besonderes.
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe E-H, Band 2
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe E-H
Band
2
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
696
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
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