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558 Herbert v. Ratreal, Freyt), pet. Phil.
Wien erledigte Stelle auszufüllen, und H. ward dazu ernannt, mit
dein Titel eines Ossicial-Calculateur bey der niederländischen Rechnungs-
kammer. Er wurde nicht nur in den niederländischen Geschäften unterder
Leitung des damahligen Referendars, Hofraths Freyh. von Lederer, ge-
braucht, sondern auch für die französische Correspondenz in auswärtigen
Geschäften unter der Leitung,des Staatsreferendars, Freyh. Friedr.
von Binder, der H.'s Talente außerordentlich schätzte. — 1767 ward
er zum Auditeur, 1775 zum Onseiilei- ü, la cliambre des dnmpte«
ernannt, und schon 4 Jahre hernach 1777, das ist im 14. Dienstjahre,
zum geheimen Staatsofficial und wirkl. Hofrath bey der geheimen Hof,
und Staatskanzley. 1779 erhielt er mit seinem Bruder, I o h. von H..,
Major bey den Szeklern, den Freyherrnstand. L udw. GrafCobenzl
ward als Vice-Staatskanzler bem Fürsten von Kaunitz an die Seite
gegeben, und H. ward von der Kaiserinn die Wahl gelassen, als Kam-
merpräsident nach Brüssel oder als Internuntiusund bevollmächtigter
Minister bey der ottomanischen Pforte nach Co n siantinopel zu ge-
hen. Er wählte das Letztere. Der Türken krieg zerschnitt sein Ministerium
in 2 Hälften) die eine von feinD Ernennung 178(1 bis zum Ausbruche
des Krieges 1788, die anders von seiner Ernennung zum Bevollmächtig-
ten nach S z isto w a 1791 bis zu seinem Tode 1802. —Die- merkwürdig-
sten Begebenheiten der ersten Hälfte seines Ministeriums an der Pforte
fallen in die Jahre 1783 und 1784> nähmlich die Verhandlungen der
wider die Barbaresken zu leistenden Garantie der k. k. Schifffahrt, der
Begünstigung des Handels und der Abtretung eines Districtes an der
Unna^ Die ersten beyden Gegenstände wurden glücklich durchgeführt/ und
die eingegangenen Verbindlichkeiten durch förmliche Senede sanctionirt;
nicht so der letzte, wo die Unterhandlung fruchtlos abgebrochen und erst
beym Szistower Frieden vorgenommen ward. 1787 unternahm H. die Reise
nach Cherson, um bey der berühmten ZusammenkunftZ o se p h's und
Catha r in en's gegenwärtig zu seyn. — Graf Codenzl stellte ihn der
Kaiserinn vor, die bereits von seinen Talenten und Verdiensten die ge-
rechteste Meinung hatte. Schon damahls sagte H. den von Rußland
noch lange nachher bezweifelten Ausbruch eines nahen Krieges mit der
Pforte vor. Er wiederholte die Vorhersagung noch bestimmter bey seiner
Rückkehr nach Constantinopel. Als der russische Gesandte am 23.
Aug. 1787 mit einem Briefe zu H. kam, worin der Pfortendolmetsch
ihn auf den nächsten Tag zu einer Conferenz mit dem Großvezier einlud/
trug sich H. an, ihn zu begleiten und als k. k. Minister aufzutreten.
Bulgakow schlug aber den Antrag mit dem Bedeuten aus, daß die
Türken es nie auf das Äußerste kommen lassen würden. Aber schon gegen
Mittag des 24. Aug. war der russische Gesandte in den sieben Thürmen,
und nur H.'s Dazwischenkunft rettete das Gesandtschafts-Archiv und
viele russische Kaufleute nebst ihrem Eigenthume. — H. rettete sich durch
Ansehen und Geschicklichkeit von dem Gefängnisse der sieben Thürme, aus
denen der russische Minister erst nach 2 Jahren befreyt ward, nach vielfäl-
tiger Verwendung Ch o is eu l's, und weil Catharina von gar keinen
Friedensvorschlägen hören wollte, ehe nicht ihr Minister freygegeben seyn
würde. Ein Schiff unter französ. Flagge brachte den kais. Internuntius
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie