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Herbert v. Natkeal, Freyt), pet. Phil. 559
und stme Fnmilie nach Livorno. Er brachte einige Monathe inTosca-
n<l zu, wo er an L eopold's Hofe auf das beste aufgenommen ward.
Er war in Constautinoprl nicht nur k. f., sondern auch toscan.
Minister gewesen, und hatte als solcher den Handel und die Schifffahrt
dieses kleine», uuter Leopold's weiser Regierung hoch uud schnell empor-
blühenden Staates nach' Kräften begünstigte — Die Friedeusunterhand-
lung von Szisto w a' fällrgeradö in die Mitte von H.'s ministerieller Lauf-
bahn,-und verdient als die Hauptepoche seines politischen Lebens, wo
sich alle Strahlen seines viel gebildeten Geistes > und vielseitigen Wir«
kens in einem Brennpunct sammelten, gewürdigt zu werden. — Die
vorzüglichsten Vortheile, welche H. bey diesem Friedensschluß dem kaiserl.
Hofe erwirkt hatte, waren: 1) die Einverleibung aller den Handel betref-
fenden Acten in den Tractat> so daß hierdurch jede künftige Verletzung
von Handelsfreyheiten zugleich 'zu emer Verletzung des Friedens erhoben
ward.'2) Die bis dahin beyspiellose Auslieferung der Gefangenen ohne
Lösegeld. Dieß war sogar in den für den kaiserl. Hof so glänzenden Frie-
densschlüssen von Carlowitz und Passarowitz nicht erhalten wor-
den,-und die Gefangenen konnren von den kaiserl. Großbothschaftern
Grafen von ött ingen und Vicmond nur mit vielerMühe und schwe-
rem Gelde losgekauft werden. 3) Die Anerkennung der türkischen Unter-
thanen, die sich in die kaiserl. Staaten geflüchtet hatten, als kaiserliche.
4) Die Anwendung des Handlungs - Seneds auf alle türkischen Provin-
zen ohne Ausnahme, was man vor dem Frieden in Rücksicht der Moldau
und Walachey nie hatte erwirken können. 5) Der Schutz der katholischen
Religion ohne Unterschied der Nationen. 6) Die Zurückstellung von A l t-
Orsowa. 7) Die Abtretung des Districtes an der Unna; Vortheile, die
ungemein gering erscheinen, wenn man sie mit Zurückstellung aller Er»
oberungen in die Wagfchale legt, groß aber, wenn man bedenkt, daß der
8l2w5 czun schon zu Reichen bach als Grundlage des türkischen Frie-
dens festgesetzt worden war, und daß die so vortheilhaft erhaltene An-
Wendung desselben nur der diplomatischen Gewandtheit und dem uner-
müdbaren Patriotismus H.'s zudanken war. — Bey H.'s Rückkehr nach
Constantinop el ward er von allen seinen Freunden, besonders von
Raschid und Reis Essend i mit größter Freude empfangen. Um
diese Zeit häuften sich die Geschäfte der Gesandten außerordentlich. — Ein
vorzügliches Augenmerk der Bemühungen H.'s war die Bildung seiner
Untergebenen zu den verschiedenen Amtern, welche der Gesandtschafts- -
dienst in Constantinopel heischt, besonders zugeschickten und taug-
lichen Dolmetschen. — H. war auf das sorgfältigste bedacht, die zum
Dolmetschdienst ausersehenen vorzüglicheren Subjecte zweckmäßig aus-
zubilden. Er machte ihnen i>ie morgenländische Tracht zum Gesetze, gab
sie zu Armeniern in die Kost, entfernte sie auf diese Weise aus dem
Geräusch der fränkischen Gesellschaften zu Pera, nnd machte ihnen durch
Einsamkeit und unmittelbare Berührung mit Orientalen das Studium
und die Nation, mit der sie künftig Geschäfte zu verhandeln hatten,
liebgewinnen. Auf diese Weise bildete sich Wallenburg zum Dolmetsch-
dienste aus, und versah noch diese Stelle vom Szistower Frieden bis zu
H.'s Tode mit dem glücklichsten Erfolge. Nach Wallenburg wurden
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie