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578 Hieronymus von Prag.
Er fügte sich diesem Wunsche und wurde vom Papst Ben ebict XlV.
1747 zum Domcanonicus von Salzburg ernannt. Später wurde er
auch Domherr zu Pasfau undOlmütz, so wie Propst zu St. Mau.
r i t ius in Augsburg. Als Domicellar wurde er nach Rom gesandt,
um daselbst vollends die theologischen Wissenschaften zu siudiren und lag
denselben mit so vielem Eifer ob, daß ihm bald die Würde eines Doctors
der Theologie ertheilt wurde. 1756 wurde er Capitular und bald dar-
auf ernannte ihn Kaiser F ranz I. zum ^uditoi- rnlae in R o m. 1762
ertheilte ihm die Kaiserinn Mar i a Th eresia das Bisthum Gurk,
welchem er durch 2 Jahre mit vielem Nutzen, sowohl in Eigenschaft einej
geistlichen Oberhirten, als auch eines Administrators der Güter dieses
Biithums, vorstand. 1771 endlich wurde er von dem D.omcapitel zu
Salzburg nach dem Tode des vorigen Crzbischofs Sieg mund ein«
stimmig zum Fürst - Erzbischof von Salzburg gewählt. In diesem
hohen und ausgebreiteten Wirkungskreise trug H. auf die Reinheit des
Gottesdienstes, auf zweckmäßige Verwendung des Kirchenvermögens an,
eiferte gegen jeden Prunk, stellte in seinerDiöcese viele Mißbräuche ab,
empfahl den Layen das steißige Lesen der heiligen Schrift und warnte
gegen Mißbrauche, welche die Verehrung der Heiligen und die Ablässe
veranlassen können. Seine Kirchenverordnungen bilden einen Codex der
musterhaftesten Disciplinargesetze, seine Wohlthätigkeit war unbeschränkt.
Für Arme waren jährlich 12,000 fl. bestimmt, nebstdem theilte er noch mit
eigener Hand bedeutende Summen aus, um Nothleidende zu unterstützen
oder jungen fähigen Leuten bey ihrer Ausbildung behülfiich zu seyn. Da-
bey befliß er sich auf anderer Seite einer weisen Sparsamkeit. Gleich
vortrefflich zeigte sich H. auch als Landesherr. Sein kleines Land hatte
ihm viele der wohlthätigsten Einrichtungen zu danken. Allgemeinen tie»
fen Schmerz erregte es, als dieser musterhafte Regent durch die Zeit»
umstände gezwungen wurde, 1803 die weltliche Negierung niederzule-
gen uud sich bloß auf die geistliche zu beschranken. MitAnfang des Jahres
1806 begannen seine Kräfte zu schwanken, die apopleklischen Ohnmacb-
tcn, an denen er schon lange litt, hielt.n immer länger an, und alle
dagegen angewandten Mittel waren vergebens. Den 17. May 1812
wurde der Fürst zu Wien vom Scblagfiusse gerührt und starb daselbst
den 20. desselben Monaths. Den 23. wurde er mit vielem Pompe in der
St. Stephanskirche begraben. Das Andenken dieses preiswürdigcn Kir«
chenfürsten wird nie vergehen; im wahren Geiste des Evangeliums hat
«r stets gedarbt, gefühlt, gewirkt.
Hieronymus von Prag, Reformator, Husiens Freund und
Genosse, war geboren zu Prag aus dem Geschlechte Faul fisch um
die Mitte des 14. Jahrhunderts, und studirte auf den Universitäten zu
Prag , Pa r i s , Cöln und Heidelberg. 1399 wurde H. der
freyen Künste Magister und Baccalaureus, auch Ritter am Hofe deS
böhmische» Königs Wenzel. Seine Gelehrsamkeit und Wohlredenheit
waren so weit berühmt, daß ihn 1410 König Wladislaw I I . von
Polen zur Einrichtung der Universität nach Krakau berief, und König
Siegmuud von Ungarn ihn in Ofen vor sich predigen ließ. Die da«
bey eingemischten W ic le f'schen Lehrsatze hatten eine kurze Gefangenschaft
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie